Wetzlar (mab). Die Chancen und Probleme mehrsprachig aufwachsender Kinder standen kürzlich im Mittelpunkt der sechsten Auflage des Wetzlarer Bibliothekentages. Unter dem Motto »In vielen Sprachen zu Hause« hatten Stadtbibliothek und Phantastische Bibliothek zu einer interdisziplinären Tagung eingeladen.
Ihre Zielgruppe: Vertreter kleinerer Büchereien sowie pädagogische Fachkräfte.
»Lern Du erstmal Deutsch!« – oft sind fremdsprachige Kinder mit diesem Satz konfrontiert. Doch wer in seiner Anderssprachigkeit nicht angenommen wird, sondern Geringschätzung oder gar Ablehnung erfährt, wird schon in frühester Kindheit in der Entwicklung entscheidend gebremst. Schlimmstenfalls führt es dazu, dass die Kleinen zwischen zwei Sprachen geraten: Die eigene erleben sie als minderwertig und erlernen sie deshalb nicht voll, die deutsche beherrschen sie aber auch nicht fehlerfrei. Auf solche Risiken machte Oberbürgermeister Wolfram Dette (FDP) in seinem Grußwort aufmerksam und plädierte dafür, dass Kindertagesstätten und Schulen sich in hohem Maße um die Vermittlung der deutschen Sprache bemühen. Ziel müsse es sein, die Chancen der Mehrsprachigkeit zu nutzen und die Risiken zu vermindern. Für ein Begreifen der sprachlichen Diversität als Normalität sprachen sich Bettina Twrsnick von der Phantastischen Bibliothek und Karin Bahlo aus, die die Modulgruppe »Sprache und Literacy« für den hessischen Bildungsplan repräsentierten. Sprache bilde letztlich Kultur ab, spiegele also das Denken wider. Somit seien Menschen mit Migrationserfahrung gegenüber einsprachig aufwachsenden eigentlich klar im Vorteil. Trotzdem komme es immer wieder zu Situationen, in denen Erzieher oder Lehrer hilflos vor einem Kind stünden, das »nicht spricht«. »Wenn ein Kind sein Potential nicht wirklich ausschöpft, ist es nicht sein Fehler. Es ist an seinem Gegenüber, es dort abzuholen, wo es steht«, so Karin Bahlo. Doch das sei nicht einfach, schließlich würden Pädagogen im beruflichen Alltag heute mit einer Vielzahl an Sprachen konfrontiert. Patricia Hahne-Wolter vom SchauHör-Verlag in Köln stellte mehrsprachige Bilderbücher vor, die auf die Problematik eingehen. Erzieherin Martina Ducqué, die in frühkindlicher Sprachförderung und interkultureller Kompetenz ausgebildet ist, berichtete von Projekten und Erfahrungen. Begeisterung löste Soziolinguist und Liedermacher Fredrik Vahle aus, der den rund 80 Teilnehmern mit »Paule Puhmanns Paddelboot« praktische Lieder und Sprachspiele an die Hand gab und sie spontan zum Mitsingen animierte. Workshops rund um das Thema Mehrsprachigkeit halfen, die verschiedenen Ansätze zu vertiefen.
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