Elmar Kellner schrieb für die Fränkischen Nachrichten
Wartberg: Gremiumsvorsitzende Renate Gassert informierte über lange Verhandlungen
“Stadtteilbeauftragter” kommt
Wartberg
Wie die Stelle bezeichnet werden wird, das weiß noch niemand so ganz genau. Letztlich ist dies aber auch ohne Bedeutung. Dass sie kommt, das ist wichtig. Und das scheint sicher. Im Herbst wird auf dem Wartberg ein Stadtteilbeauftragter, so der “Arbeitstitel”, seine Tätigkeit aufnehmen. Mit ihm oder ihr verbinden sich viele Hoffnungen, dass die Integration noch besser gelingen wird.
Stadtteilbeiratsvorsitzende Renate Gassert informierte in der Sitzung des Gremiums am Montagabend im Kirchenzentrum die Öffentlichkeit darüber, was in monatelangen Besprechungen und Verhandlungen zuvor gelungen ist. Seit mehr als eineinhalb Jahren, so Gassert, beschäftige man sich mit der Thematik, auf die man über die Diskussion um ein Wegeleitsystem für den Wartberg gekommen sei (wir berichteten). Die Initialzündung sei ein Besuch im Würzburger Stadtteil “Heuchelhof” gewesen, der zwar größer sei als der Wartberg, aber letzlich die gleichen Probleme habe. Letztlich habe man auch die Stadt davon überzeugen können, “dass wir diese ehrenamtlich nicht lösen können”.
Schwierig, so die Stadtteilbeiratsvorsitzende, habe sich die Suche nach der Finanzierung gestaltet. Die Stadt Wertheim könne sie nicht schultern, und es gebe zwar auf den verschiedensten Ebenen die unterschiedlichsten Sozialfonds, “in die wir aber angeblich überall nicht hineingepasst haben”.
Die “Rettung” kam schließlich über Kontakte zum Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Ein entsprechender Antrag sei im Juni genehmigt worden, berichtete die Rednerin. Nun werde eine 50-Prozent-Stelle ausgeschrieben und, nach Auswahl eines geeigneten Bewerbers beziehungsweise einer Bewerberin hoffe man, dass dieser Mensch im Oktober, spätestens im November seine Arbeit aufnehmen könne.
Vom Bundesamt beaufsichtigt
Das Projekt, erklärte die Stadtteilbeiratsvorsitzende weiter, sei zunächst auf drei Jahre befristet und werde vom Bundesamt beaufsichtigt. Das Domizil des oder der künftigen Stadtteilbeauftragten solle ein ehemaliger Friseursalon mitten im Wartberg sein, den kürzlich die Stadtentwicklungsgesellschaft übernommen habe.
“Es war ein ganz langer, harter Weg”, bilanzierte Renate Gassert. “Aber wir haben etwas Großes geschafft.” Sie würdigte alle Beteiligten und insbesondere die jüngst verstorbene Kreisgeschäftsführerin des Roten Kreuzes, Renate Streng, die sich große Verdienste um den erfolgreichen Abschluss der Bemühungen erworben habe. Gassert bat auch um Verständnis, dass das Projekt sich, zunächst einmal, auf den Wartberg beschränke, der in seiner Bevölkerung zwei Drittel Menschen mit Migrationshintergrund aufweise. Überlegungen, ob und wieweit eine Ausdehnung auf den Reinhardshof möglich sei, müssten später angestellt werden. “Die jungen Leute”, merkte die Vorsitzende weiter an, “machen jedenfalls keinen Unterschied zwischen beiden Stadtteilen”.
Auf Nachfrage von Robert Spettel erklärte Gassert, der Stadtteilbeirat werde bei der Auswahl der geeigneten Bewerber beteiligt. Klaus von Lindern bedauerte, dass es nicht machbar gewesen sei, den Wartberg in das Programm “Soziale Stadt” aufzunehmen.
Der Stadtteilbeirat beschäftigte sich auch noch einmal mit dem Videoprojekt “Gibt es eine Zukunft für Jugendliche auf dem Wartberg”. Der Film hatte kürzlich im Kirchenzentrum Premiere und wurde auch beim Stadtteilfest auf dem Reinhardshof gezeigt (wir berichteten).
Er hätte noch mehr Aufführungsmöglichkeiten verdient, war nicht nur die Meinung von Klaus von Lindern. Der Vorsitzende des Stadtteilbeirates Reinhardshof, Walter Ploch, meinte auf entsprechende Überlegungen zu weiterführenden Aktionen, es habe sich eigentlich, nach seiner Kenntnis, um ein abgeschlossenes Projekt gehandelt. Nach den positiven Reaktionen auf den Film scheine sich diese Haltung aber gerade zu ändern. Martina Ducque hatte festgestellt, viele Jugendliche seien recht erstaunt gewesen, dass andere junge Leute in dem Film “offen und ruhig ihre Meinung gesagt” hätten und dies offensichtlich Widerhall finde.
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