Sprache – Kultur – Kompetenz Martina Ducqué

Erzähle mir und ich vergesse, zeige mir und ich erinnere mich, lass mich tun und ich verstehe. (Konfuzius)

Beiträge mit Schlagwort Erfahrung

BVL Fachkräfteaustausch in Afacan/Türkei 2011

Vom 2. – 8. Mai 2011 fand der erste vom Bundesverband Leseförderung e.V. initiierte Fachkräfteaustausch in der Begegnungsstätte Afacan in der Türkei statt. 28 Teilnehmerinnen und Teilnehmer nutzten die Woche der Begegnung, um sich über Möglichkeiten zur Stärkung von Lese- und Sprachkompetenzen in einer interkulturellen Gesellschaft austauschen zu können.

Neben Impulsreferaten, Gruppenarbeit und Zeit für Projektvorstellungen prägten vor allem offene Gespräche zwischen den Teilnehmern die Woche. Leseförderer, Projektleiter und Stadtteilmütter tauschten sich über kindliche Sprachförderung und Bildung aus. Für die Entwicklung interkultureller Kompetenz sorgten Begegnungen, bei denen Erfahrungen aus unterschiedlichen Ländern (Deutschland, Türkei, Pakistan, Indien, Sri Lanka, Libanon, Algerien) ihren Platz hatten. Beispielhaft trugen dazu jene Begebenheiten außerhalb der Begegnungsstätte bei, bei denen die nicht Türkisch sprechenden Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf die Sprachkenntnisse anderer Mitreisender angewiesen waren. Erlebnisse, die Sprache als Schlüssel gesellschaftlicher Teilhabe selbst erfahrbar machten.

Gemäß dem Thema des Fachkräfteaustauschs – die Stärkung der Lese- und Sprachkompetenz – wurden die türkische und deutsche Sprache miteinander verglichen. Viele in Deutschland aufwachsende Kinder lernen Deutsch nicht als Erstsprache, sondern als Zweit- oder Drittsprache. Der Vergleich trug zum Erkennen typischer „Stolpersteine“ bei, beispielsweise denen der unterschiedlichen Formen der Mehrzahlbildung im Deutschen, mit denen Kinder konfrontiert sind. Je mehr Lehrende über diese Unterschiede informiert sind, desto besser können sie Kinder und Jugendliche bei ihrem Schriftspracherwerb unterstützen. Sowohl bei den einsprachigen als auch den mehrsprachigen Teilnehmern sorgte der Fachkräfteaustausch für neue Erkenntnisse.

Zum Programm gehörte außerdem der Besuch einer türkischen Schule in Aliağa, im Bildungsministerium in Izmir sowie die Besichtigung der Akropolis von Bergama (Pergamon).

Ermöglicht wurde der Fachkräfteaustausch durch die großzügige Unterstützung der Stiftung  Umverteilen! Für eine, solidarische Welt in Berlin: „Gemeinsame Reisen von jungen Menschen deutscher, türkischer und/oder anderer Herkunft in die Türkei bieten die Chance, Raster von Vorurteilsstrukturen aufzureißen – und zwar besonders, wenn solche Reisen sich abseits der gängigen Touristenstraßen, der Bettenburgen und Konsumtempel bewegen.“

Diese Erfahrung machten auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Fachkräfteaustauschs in Afacan. Ihr Fazit lautete einstimmig: Eine Neuauflage ist erwünscht!

Quelle:

Bundesverband Leseförderung e.V. | Appener Weg 3b | 20251 Hamburg
Telefon: +49 40 31 706 422 | Telefax: +49 40 31 706 423
Email: info@bundesverband-lesefoerderung.de
© 2009 – 2011

Bundesverband lädt ein zum Fachkräfteaustausch in Afacan

Wenn Kinder die Welt entdecken, spielen Bücher eine bedeutende Rolle: Jede
Geschichte, die ihnen erzählt oder vorgelesen wird, trägt zu ihrer Sprachentwicklung
bei und fördert Weltwissen. Die entspannte Beschäftigung mit Büchern ermöglicht
Entdeckungsreisen ins Leben und ins Lesen. Denn Kinderbücher vermitteln
Erfahrungen, Werte und Sprachkompetenz.

Welche Sprache(n) und Werte helfen uns, in einer interkulturellen Gesellschaft soziale
Kompetenzen zu entwickeln? Welche Projekte und Konzepte eignen sich dafür, in
Kindertagesstätten, Schulen und anderen Orten ein gutes Sprachklima zu entwickeln?
Wer übernimmt die Durchführung – Eltern, Ehrenamtliche, Honorarkräfte,
Hauptamtliche? Wie wird diese Arbeit finanziert?

Die Mitglieder des Bundesverbandes Leseförderung e.V. sind ausgewiesene
Fachleute für diese Themen. Auf Einladung der Stiftung Umverteilen treffen sie sich in
diesem Jahr zum Austausch und zur Diskussion im türkischen Afacan.

Auf dem Plan stehen die drei Themenschwerpunkte „Grundlagen von Sprach- und
Lesekompetenz“, „Bücher und Konzepte“ sowie „Geld und Projekte“ (siehe
Anmeldung Seite 2). Impulsreferate führen ins jeweilige Thema ein und strukturieren
die anschließende Gruppenarbeit. Der Besuch einer Bildungseinrichtung vor Ort gibt
Gelegenheit, türkische Partner in Sachen Leseförderung kennenzulernen.

Der Bundesverband Leseförderung e.V. lädt zu dieser gemeinsamen Arbeit alle ein,
die sich mit der Lesekultur bei Kindern und Jugendlichen beschäftigen.

Ziele:        Grundlagen interkultureller Leseförderung kennenlernen

  • Praktisch arbeiten: welche Bücher, welche Medien eignen sich?

Welche Konzepte und Projekte sind bereits erprobt, welche geplant?

  • Zukunft schaffen: Welche Möglichkeiten der Weiter- oder/und der

Zusammenarbeit gibt es?

Ablauf: Anreise im Lauf des Montags (02. Mai 11). 20 Uhr Abendessen,
Abreise Sonntagfrüh (08. Mai 11). Bustransfer zum Flughafen bis 9:30 Uhr möglich.

Der Bundesverband Leseförderung e.V. dankt „Umverteilen! Stiftung für eine,
solidarische Welt“ www.umverteilen.de für den Aufenthalt in Afacan!

Dazu kommen Reisekosten und evt. Ausflüge.

Thema 1: Grundlagen von Sprach- und Lesekompetenz

Um eigenes Sprachvermögen weiterentwickeln zu können, brauchen
Menschen – Kinder und Erwachsene – kompetente Gesprächspartner, die
durch ihren Satzbau und Wortschatz vielfältige sprachliche Ausdrucks-
möglichkeiten hörbar machen. Doch selbst eloquente Gesprächspartner
benutzen einen kleineren Wortschatz als er in der Schriftsprache
Anwendung findet, von der Grammatik ganz zu schweigen. Das heißt,
dass neben redegewandten Gesprächspartnern auch die Begegnung mit
Schriftsprache – mit Büchern! – von elementarer Bedeutung ist, um
schriftlich fixierte Inhalte nicht nur technisch entschlüsseln, sondern tat-
sächlich lesen und verstehen zu können. Wo und wie finden solche
Begegnungen statt?

Moderation: Barbara Knieling

Thema 2: Bücher und Konzepte

Welche Bücher, Medien, Spiele und pädagogische Umsetzungen (z. B. als
Bilderbuchkino) eignen sich besonders für die interkulturelle und
mehrsprachige Leseförderung? Zu diesem Thema gibt es ein wenig
Theorie und viel praktische Erfahrungen. Wir tragen sie zusammen.
Vielleicht entsteht daraus ein neues Praxishandbuch? Welche
Fortbildungen brauchen Multiplikatoren, damit Kindertagesstätte, Schule
und Familie besser zusammenwirken? Welche Konzepte sind schon
praxiserprobt? Wir setzen sie vor Ort um!

Moderation: Iris Wolf

Thema 3: Projekte und Geld

Welche Projekte helfen, den veränderten Sprachbedingungen in Europa
gerecht werden? Welche Erfahrungen mit der Finanzierung von
Leseförderungsprojekten sind vorhanden? Wir stellen uns gegenseitig
Anträge vor, berichten von unseren Erfahrungen mit Stiftungen und
überlegen, welche Sponsoren gewonnen werden können. Bei all dem
lassen wir nicht außer Acht, welchen Anteil die öffentliche Hand haben
könnte und sollte.

Moderation:   Sabine Stemmler

Bundesverband Leseförderung e.V., Appener Weg 3b, 20251 Hamburg
www.bundesverband-lesefoerderung.de

Kreuzberger Stadtteilmütter bauen Brücken in die Türkei

Vom 2.05 – zum 7.05.2011 haben sich 10 Kreuzberger Stadtteilmütter vom Diakonischen Werk Berlin Stadtmitte e.V. zusammen mit dem Bundesverband Leseförderung e.V. zum Austausch über interkulturelle Kinder- und Jugendliteratur in Afacan, an der türkischen Ägisküste getroffen. Die Begegnungsstätte Afacan ist ein gemeinnütziges Projekt von Menschen aus Berlin und Istanbul. Träger der Begegnungsstätte Afacan ist die Stiftung Umverteilen – für eine solidarische Welt- , die in Berlin ihren sitz hat. Seit vielen Jahren treffen sich dort junge Menschen von nah und fern, um sich gemeinsam auszutauschen, zu spielen, zu feiern; Neues voneinander zu erfahren und Altes anders betrachten zu können.

Nach dem Motto: Wer sich kennt, ist sich nicht mehr fremd, haben die Kreuzberger Stadtteilmütter mit Vertreterinnen des Stuttgarter Rucksack Projektes, Projektleiterinnen unterschiedlicher Leseförderprojekte, Lehrern und Erzieherinnen, die zum Bundesverband Leseförderung gehören, gemeinsam eine Reise in die Türkei gemacht und sich mit Fachkräften zum Themen wie frühkindliche Sprachförderung, Bildung und interkulturelle Kompetenz ausgetauscht. Dabei ging es sowohl darum, wie können Kinder mit Migrationshintergrund zum Lesen ermutigt werden, welche zweisprachigen Kinder- und Jugendbücher sind geeignet, welche kulturellen Hintergründe sollten bedacht werden , als auch sich etwas kennenzulernen und miteinander Spass zu haben. Lesen ist eine Kulturtechnik, die nicht angeboren ist, sondern in einem komplexen und sehr störanfälligen Prozess erworben wird. Kinder, die zweisprachig alphabetisiert werden, haben wesentlich mehr Schwierigkeiten, diesen Prozess zu bewältigen, da sich die grammatikalischen Strukturen in beiden Sprachen sich sehr stark unterscheiden. Über Sprache eignet man sich Weltwissen an, was man braucht, um das Gelesene verstehen zu können.

Besonders interessant war der Besuch in einer Grundschule in Aliaga. Neben einem ausführlichen Gespräch mit dem Direktor Turgay Bey über die Schulreform von 2005 war die Begegnung mit den ehrenamtlichen Müttern an dieser Schule sehr interessant, die täglich 3 Stunden in der Schule anwesend sind, um die Lehrer bei ihrer Arbeit zu unterstützen. Der Direktor fand die Begegnung mit den Stadtteilmüttern inspirierend und stellte Überlegungen an, wie die pädagogische Reform vollendet werden könne durch das Konzept der aufsuchenden Arbeit der Stadtteilmütter z.B. in der Türkei. Es entstand die Vision, im nächsten Jahr eine gemeinsame Begegnung von Berliner Kindern aus dem Kreuzberger Lesekeller und Kindern aus Aliaga zusammen mit dem Projekt der Stadtteilmütter zu organisieren.

Das Interesse der ehrenamtlichen Mütter zeigte den gut qualifizierten Stadtteilmüttern aus Kreuzberg, dass ihre Arbeit wert geschätzt wird, so dass einige von ihnen anfingen davon zu träumen, eine Stadtteilmutter in Izmir zu sein. Auch in Izmir haben die Stadtteilmütter Brücken geschlagen, indem sie den Kolleginnen vom Bundesverband für Leseförderung kulturelle Eigenheiten erklärt haben und den Zugang zu kulinarischen Genüssen ermöglicht haben.

Für alle Beteiligten gab es viele berührende Momente, alte Vorstellungen auf den Kopf gestellt zu bekommen, verschiedene Eindrücke aufzunehmen und von neuen Ideen bewegt zu werden.

Die Leiterin von Afacan hat uns bereits vorhergesagt, dass wir spätestens im nächsten Jahr wieder vor den Toren von Afacan stehen. Ob das nun die Vorhersehung aus dem Kaffeesatz war oder Wirklichkeit wird, hängt von der Unterstützung tatkräftiger Helfer ab.

2011_05_09

Ulrike Koch, Projektleiterin

Tam-u.koch@diakonie-stadtmitte.de

 

Pressebericht Fränkische Nachrichten 22.02.2010

Aktionstag: Am 26. Februar veranstaltet das “Netzwerk Mehrsprachigkeit” einen Aktionstag an Kindergärten und Schulen sowie einen “Marktplatz der Möglichkeiten”

Sprachen ändern das eigene Denken

 

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Wertheim. Eine oder vielleicht sogar mehrere fremde Sprachen zu sprechen, gilt einerseits als Schlüssel zum gegenseitigen Verständnis und Respekt. Andererseits ist gut die Hälfte aller weltweit gesprochenen Sprachen vom Aussterben bedroht.

Vor diesem Hintergrund hat die Unesco, die Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur, zu Beginn des Jahrtausends den “Internationalen Tag der Muttersprache” ausgerufen. An diesen lehnt sich der “Aktionstag Mehrsprachigkeit” an, der am Freitag, 26. Februar, in Wertheim stattfindet. Die Schirmherrschaft hat OB Stefan Mikulicz übernommen. Veranstalter ist das “Netzwerk Mehrsprachigkeit”, das sich bundesweit im vergangenen Jahr gegründet hat.

Überaus große Resonanz

Die Organisatoren haben den Kindergärten und Schulen ein vielfältiges Angebot unterbreitet, das sehr gut angenommen wird. “Wir sind ausgebucht”, freut sich Martina Ducque über die unerwartet große Resonanz. Sie ist Fachkraft für frühkindliche Sprachförderung und interkulturelle Kompetenz und in Wertheim zuständig für die Sprachförderung in den Kindergärten. Ducqué ist Mitglied im “Netzwerk Mehrsprachigkeit” und zeichnet, gemeinsam mit Dirk Jüttner, federführend für den “Aktionstag Mehrsprachigkeit” in der Großen Kreisstadt verantwortlich.

“Wer eine andere Sprache kann, lernt zugleich, was in ihr nicht oder nur ganz anders geht. Dabei begegnen ihm seine eigenen Grenzen. Indem er sie wahrnimmt, überschreitet er sie auch, aber im gastlichen Sinn”, zitiert sie den Schweizer Schriftsteller Adolf Muschg. Globalisierung und Migration seien die häufigsten Gründe, weshalb Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammenlebten.

Positives Potenzial aufnehmen

“Diese vorhandene Sprachenvielfalt muss aufgenommen und als positives Potenzial begriffen werden, sonst verharrt eine Gesellschaft in rückwärts gewandten Ritualen. Der Umgang mit dieser Situation muss allerdings auch eingeübt werden”, so Ducqué. Auch aus diesem Grund habe sich Mitte vergangenen Jahres der Verein “Netzwerk Mehrsprachigkeit” gegründet.

Dessen Mitglieder sind Verlage, Institutionen und Personen, die sich professionell mit Mehrsprachigkeit und Fremdsprachenerwerb befassen. Ziel ist die Förderung von sprachlicher und interkultureller Bildung. Dies soll am “Aktionstag Mehrsprachigkeit” beispielhaft in Wertheim geschehen. Kindergärten, Schulen und Büchereien wurde ein vielfältiges Angebot unterbreitet, das mehrsprachige Lesungen und Vorträge von Experten enthält.

Aus der Vielfalt wählen

“Daraus konnte sich jeder das für ihn Passende aussuchen und das Netzwerk-Mitglied, das dieses Angebot unterbreitet hat, kommt dann am 26. Februar in die jeweilige Einrichtung”, erläutert die Organisatorin. Aus ihrem beruflichen Wirken weiß sie, dass solche Lesungen für manche Kinder der erste Kontakt mit ihrer Herkunftssprache sind. Eltern und Kindern sollen Denkanstöße gegeben, Pädagogen Möglichkeiten zum Umgang mit mehrsprachigen Lernmaterialien unterbreitet werden. Ist der Vormittag mehr den großen und kleinen Fachleuten gewidmet, so kommt die breite Öffentlichkeit am Nachmittag beim “Marktplatz der Möglichkeiten” im Arkadensaal zum Zuge. Dabei wird dann auch die “Medienkiste Mehrsprachigkeit” vorgestellt, ein Sortiment zwei- und mehrsprachiger Kinderbücher, das beim Verein ausgeliehen werden kann. ek

Fränkische Nachrichten
22. Februar 201o

Eigene Anmerkung:

Nähere Informationen finden Sie unter:
http://www.verein-mehrsprachigkeit.de/wertheim_aktionstag_mehrsprachigkeit/

“Aktionstag Mehrsprachigkeit”:

(foto Quelle privat)

 

Arkadensaal in einen “Marktplatz der Möglichkeiten” verwandelt / Bedeutung von Sprache(n) herausgestellt
Förderung von Intelligenz und Identität

Wertheim. Sie hatte schon etwas von einem “Marktplatz”, die Szenerie am Freitagnachmittag im Arkadensaal der Wertheimer Hofhaltung. Man stand in kleineren und größeren Gruppen zusammen, es wurde geredet, diskutiert, erzählt, man blätterte in Büchern, aß und trank. Und genau so war es auch geplant, beim “Marktplatz der Möglichkeiten” anlässlich des “Aktionstages Mehrsprachigkeit”. Den hatte das “Netzwerk Mehrsprachigkeit” geplant und organisiert, mit zahlreichen Veranstaltungen in Kindergärten und Schulen und mit eben diesem großen Zusammentreffen am Nachmittag im Arkadensaal (wir berichteten).

Dirk Jüttner, gemeinsam mit Martina Ducque federführend in der Main-Tauber-Stadt, begrüßte “alle Sprachbegeisterten” – und das waren eine ganze Menge. Ihnen erzählte er von einem seiner Kindheitsträume, nämlich mit allen Menschen in ihrer Sprache reden zu können. “Aber die Wunschfee ist leider nicht vorbeigekommen.” Zu 100 Prozent erfüllt werden kann der Wunsch wohl auch nicht vom “Netzwerk Mehrsprachigkeit”. Aber einen Teil dazu beitragen schon.

Die Vorsitzende des im Mai vergangenen Jahres gegründeten gleichnamigen Vereins, Patrizia Hahne-Wolter aus Köln, lobte in ihrem Grußwort erst einmal alle Verantwortlichen, die in der Tat Beachtliches auf die Beine gestellt hatten. Wertheim, sagte sie, sei in der Vergangenheit auch für revoltierende demokratische Buchdrucker interessant gewesen und habe heute einen Namen als Standort für vielfältige Industriebetriebe.

“Die Arbeitnehmer kommen aus unterschiedlichen Herkunftsländern, und die Anbindung an den globalen Markt fordert alle Bürger und Unternehmer. Wie in einem Brennglas bündeln sich hier Bedürfnisse, Anspruch und Herausforderungen, denen sich auch andere Städte Deutschlands gegenübersehen.” Fremdsprachenkenntnisse seien ebenso gefragt, wie allgemeine Deutschkenntnisse. “Aber das allein reicht nicht.” Nötig sei auch eine Offenheit gegenüber kulturellen Hintergründen und babylonischer Sprachenvielfalt.

Für das Netzwerk sei es stimmig, den Aktionstag gerade in Wertheim zu begehen. Mit der Übernahme der Schirmherrschaft durch Oberbürgermeister Stefan Mikulicz “bezeugen Sie, dass sie den neuen Ideen der Mehrsprachigkeit unvoreingenommen gegenüberstehen”.

Die Rednerin stellte den Verein vor, dessen Vorsitzende sie ist, und sagte, der Respekt vor der Herkunftssprache und die Förderung der Verkehrssprache Deutsch bestimme dessen Diskurs. “Wir möchten den oft einseitigen und aufgeheizten Diskussionen um Integration und Migration eine zukunftsorientierte und sachlich geführte Debatte entgegensetzen.”

Oberbürgermeister Mikulicz stellte fest, es würden “viele Register gezogen, um Kindern Sprache und Mehrsprachigkeit zu vermitteln”. Dies fördere nicht nur die Intelligenz, sondern auch die eigene Identität und das Einfinden in die neue Heimat. In frühester Kindheit bereits würden die Pfade angelegt, die Jugendliche später befähigten, im Leben und im Beruf zu bestehen. “Als Kommune sind wir sehr stark bemüht, Sprache und Sprachkompetenz zu fördern”, versicherte der Oberbürgermeister. Dies geschehe auch vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und sei nicht zuletzt im Interesse der heimischen Wirtschaft. Jedes Kind müsse befähigt sein, später einmal eine Ausbildung erfolgreich zu absolvieren.

Mikulicz dankte insbesondere Martina Ducque, die dem Netzwerk beigetreten sei und die Bedeutung eines Aktionstages herausgestellt und verankert habe. “Das Thema wird in Wertheim sehr ernst genommen und bestimmt den Kurs der Kommunalpolitik mit”, so der OB abschließend.

Dann war es Zeit für “Geschenke”. Blumen gab es für Patrizia Hahne-Wolter und von ihr für Martina Ducque. Ihr überreichte die Vorsitzende des Vereins auch einen “Wanderpokal für besonders gelungene Projekte”. Dank der Unterstützung des Lions Club Wertheim konnten mehrere Bücherkisten zum Thema Mehrsprachigkeit angeschafft werden. Eine davon überreichten der amtierende Präsident Alois Sans und Sekretärin Susanne Eberhard an Nimet Seker, Öffentlichkeitsbeauftragte der türkisch-islamischen Gemeinde. Eine weitere Bücherkiste geht an die Stadtbücherei Wertheim, die an diesem Nachmittag durch Doris Neugebauer vertreten war. Und eine dritte wird eine “wandernde Bücherkiste”, die verschiedenen Einrichtungen zur Verfügung steht. Großzügige Unterstützung gewährte dem “Aktionstag Mehrsprachigkeit” das Fürstenhaus zu Löwenstein-Wertheim-Freudenberg.

Zahlreiche Mitglieder der türkisch-islamischen Gemeinde sorgten für das leibliche Wohl der Besucher des “Marktplatz der Möglichkeiten”. ek

Fränkische Nachrichten
01. März 2010

Die Wertheimer Zeitung schrieb am 1 März 10 :

http://www.main-netz.de/nachrichten/region/wertheim/wertheim/art4003,1111616

 

Kinder entdecken fremde Sprachen

Mehrsprachigkeit: Aktionstag mit Lesungen in Grundschulen und Kindergärten – Literaturpräsentationen im Rathaus

Wertheim In Zeiten zunehmender Globalisierung wird es immer wichtiger, Kinder früh mit Fremdsprachen vertraut zu machen. Andererseits ist es für das Gelingen von Integration wichtig, dass Kinder mit Migrationshintergrund über gute Deutschkenntnisse verfügen. Zu beidem will das Netzwerk Mehrsprachigkeit beitragen, das am Freitag einen Aktionstag in Wertheim veranstaltet hat.

Dabei kamen mehrere hundert Kinder in Wertheimer Grundschulen und Kindergärten am Vormittag in den Genuss einer kostenlosen Veranstaltung. »Die Nachfrage war so groß, das wir pro Referentin zwei Termine anbieten mussten«, sagt Martina Ducque. Sie ist Erzieherin und Fachkraft für frühkindliche Sprachförderung und interkulturelle Kompetenz bei der Stadt Wertheim. Gemeinsam mit Dirk Jüttner von JP Design aus Wertheim organisierte sie die Veranstaltungen.
So las beispielsweise die Illustratorin Gül Kurtulus in den Kindergärten Waldenhausen und Reicholzheim in Deutsch und Englisch aus ihren Umweltbüchern zu den vier Elementen Feuer, Wasser, Luft und Erde vor. Dafür hatte sie sich kostümiert und neben den Büchern auch großformatige Bilder mitgebracht, die die Hauptakteure ihrer Werke zeigten. Die Kinder lauschten ihren Ausführungen mit großer Aufmerksamkeit.
Eigene Geschichte ausgedacht
Keine Lesung im klassischen Sinne hatte sich Patricia Hahne-Wolter für die Kinder der Kindergärten Urphar und Grünenwört ausgedacht. »Meine Wörter reisen« lautete der Titel des Buches, anhand dessen Bilder sich die Kinder eine eigene Geschichte ausdachten. Wer von Hahne-Wolter einen Ball zugeworfen bekam, durfte die Geschichte weiter erzählen.
In allen Einrichtungen waren die Kinder eifrig bei der Sache. »Aus ruhigen werden aktive Kinder und das Bilderbuch regt zum Sprechen an«, kommentierte eine Erzieherin des Kindergartens Urphar. Ihre Kolleginnen aus Bettingen und Lindelbach sagten zu dem Buch »Wer spricht denn da«: »Die Kinder lernten in der kurzen Zeit vier Sprachen kennen und waren total begeistert.«
Der Nachmittag stand beim sogenannten Marktplatz der Möglichkeiten im Arkadensaal ganz im Zeichen von Mehrsprachigkeit und der Präsentation zahlreicher Bücher. »Hier wird eindrucksvoll gezeigt, wie alle Register gezogen werden können, um Kindern mehrsprachige Kompetenz zu vermitteln«, sagte Oberbürgermeister Stefan Mikulicz, der Schirmherr der Veranstaltung war. »Mehrsprachigkeit fördert den Intellekt der Kinder«, sagte der OB. Gemeinsam müssten neben dem Elternhaus vor allem Kindergärten und Schulen Anstrengungen unternehmen, um Sprachkompetenz zu fördern, meinte Mikulicz. Er versicherte, dass das Thema von der Stadt, Schulen und Kindergärten sehr ernst genommen werde.
Die Herausforderung eines globalen Marktes forderten Bürger und Unternehmen gleichermaßen, sagte die Vorsitzende des Netzwerkes Mehrsprachigkeit, Patrizia Hahne-Wolter. »Fremdsprachenkenntnisse sind deshalb so wichtig, wie Deutschkenntnisse«, erklärte sie. Nötig sei auch Offenheit gegenüber kulturellen Hintergründen. Eine wichtige Voraussetzung dafür sei, Kindern die Freude am Lesen zu vermitteln. »Alles andere kommt von alleine.«
Patrizia Hahne-Wolter freute sich über eine Spende des Lions-Clubs und des Fürstenhauses für das Netzwerk. Dank der großherzigen finanziellen Unterstützung sei es möglich, der Stadtbücherei und dem türkisch-islamischen Verein drei Kisten mit mehrsprachigen Büchern zur Verfügung zu stellen. Zudem werde eine Bücherkiste bereit gestellt, die von Schulen und Kindergärten ausgeliehen werden können. Symbolisch nahm Nimet Seker von der türkisch-islamischen Gemeinde eine Bücherkiste entgegen.
Neben dem Kennenlernen mehrsprachiger Druck-Erzeugnisse für Kinder und dem Erfahrungsaustausch standen am Nachmittag auch verschiedene Seminare auf dem Programm. So erklärte Iris Wolf von der Agentur für Leseförderung Eulenwolf, wie man das richtige zweisprachige Buch findet. Corina Schuhkraft-Wadle von »Ibambiboo« präsentierte einige zweisprachige Bildwörterbücher.
Lesungen für Jungen und Mädchen
Dirk Jüttner stellte unterschiedlichste Wörterbücher und deren Einsatzmöglichkeiten im Grundschulunterricht und in Kindertagesstätten vor. Darüber hinaus fanden für die kleinen Besucher auch noch diverse Lesungen aus zweisprachigen Büchern statt.
Peter Riffenach

Hintergrund: Europäischer Tag der Sprache

Der Internationale Tag der Muttersprache ist ein von der Unesco ausgerufener Gedenktag zur »Förderung sprachlicher und kultureller Vielfalt und Mehrsprachigkeit«. Er wird seit dem Jahr 2000 jährlich am 21. Februar begangen.

Zur Förderung interkultureller Kompetenz gehören auch Angebote vor Ort wie auf diesem Bild, das während eines Lesekurses in den Räumen des Türkisch-Islamischen Vereins entstand und das Martina Ducque, Fachkraft für frühkindliche Sprachförderung und interkulturelle Kompetenz, im Gespräch mit Muhiddin Cevahir vom Türkisch-Islamischen Verein zeigt.

Vor dem Hintergrund, dass gut die Hälfte aller weltweit gesprochenen Sprachen vom Aussterben bedroht ist, hat sich die Unesco unter anderem die Förderung von Sprachen als Zeichen der kulturellen Identität auf die Fahnen geschrieben.
Europa begeht seinen eigenen Tag der Sprachen, der alljährlich am 26. September gefeiert wird. Es gibt über 200 europäische Sprachen, von denen 23 offizielle Amtssprachen der EU sind. Ziel der Europäischen Kommission ist es, dass alle Bürger mehrere Sprachen sprechen. Ziel ist, dass am Ende der Schulzeit alle mindestens zwei Fremdsprachen beherrschen.
Der Europäische Tag der Sprachen, der seit 2001 begangen wird, geht auf eine Initiative des Europarates zurück.

Sprachförderung in der pädagogischen Arbeit mit Kindern
im Institut für pädagogische Weiterbildung Kinder&Jugendarbeit e.V
Werner-von-Siemens-Str.53

97076 Würzburg

Diese Weiterbildung mit Zertifikat richtet sich an alle, die mit sprachauffälligen Kindern arbeiten oder durch die spielerische Förderung von Sprache Kinder in Ihrer Bildung und Gesamtentwicklung fördern wollen. Neben den Grundlagen der ganzheitlichen Sprachförderung werden unterschiedliche Angebote und Anregungen für die Praxis vermittelt und gemeinsam erprobt.

Die Bausteine können einzeln gebucht werden, wobei wir empfehlen, diese Reihe innerhalb von längstens zwei Jahren abzuschließen. Für die Teilnahme an allen Bausteinen erhalten Sie eine gesonderte Bestätigung in Form eines Zertifikates.

Sprachförderung 1: Sprachentwicklung
Referent: Carsten Weller

Sprachförderung 2: Mundmotorik „Um den Mund geht’s rund“
Referentin: Martina Ducqué

Sprachförderung 3: Sprache und Wahrnehmung (Sinn-liche Sprache)
Referentin: Martina Ducqué

Sprachförderung 4: Die Sprechwirkstatt
Sprech- und Stimmbildung im Kindergarten und in der Schule
Die Sprechwirkstatt ist ein didaktisches Konzept zu Elementarprozessen wie Stimmbildung und Sprachentwicklung. Diese Prozesse fördern das gestaltende Sprechen wie Erzählen, Körpersprache, Stimmklang… Gestaltendes Sprechen ist ein wichtiger Bestandteil menschlicher Kommunikation.
Durch zahlreiche Übungen und Sprechspiele werden neue Möglichkeiten eröffnet, um mit Kindern im Vorschulalter und mit SchülerInnen gemeinsam etwas für die Stimme und den persönlichen Sprechausdruck zu tun.
Inhalte:

* Theoretische Grundlagen zur Stimmbildung und Sprachentwicklung
* Mit dem ganzen Körper sprechen: die Körpersprache
* Der Ton macht die Musik: Stimmklang als Ausdrucksform
* Aussprache und Artikulation

Referent: Carsten Weller

Sprachförderung 5: Sprachstanderhebungen

Bildung fängt mit Sprache an, und deswegen müssen wir dafür sorgen, dass Kinder Deutsch sprechen können – und zwar nicht erst in der Schule, sondern noch bevor sie ihre „Bildungskarriere“ beginnen. Gerade im Bereich der Linguistik und der Entwicklungspsychologie wird immer wieder darauf verwiesen, dass die Zahl der Kinder mit Lese- und/oder Rechtschreibschwierigkeiten sowie anderen Lern- und Leistungsstörungen in den letzten Jahren signifikant gestiegen ist. Nach neuesten Untersuchungen ist jedes fünfte deutschsprachige Kind sprachauffällig, bei den Kindern mit ausländischer Muttersprache sogar jedes zweite Kind. Aufgrund der Migrationssituation in Deutschland, aber auch in Verbindung mit biographischen, sozialen und kulturellen Faktoren in den Familien lassen sich erhebliche Unterschiede der Sprachkompetenzen dieser Kinder beim Eintritt in die Schule beobachten.

Diese unterschiedlichen Eingangsvoraussetzungen werden im System Schule kaum aufgehoben, sondern wie Pisa aufzeigt, tendenziell eher verstärkt. Daher ist eine möglichst frühe, gezielte Förderung des Spracherwerbs in Kindertagesstätten und in Zusammenarbeit mit den Eltern wichtig. In immer mehr Städten und Gemeinden werden Vorschulkinder auf ihre Sprachfähigkeit getestet. Aufgrund der Erhebungen soll festgestellt werden, welche Kinder zusätzliche Förderung brauchen.

Sprachstanderhebungen sind Diagnoseverfahren zur Feststellung des Sprachstandes von Kindern im Vorschulalter (Entwicklung und Güte der Lautsprache, des Wortschatzes, der Grammatik, des Sprachverständnisses, der Merkfähigkeit). In diesem Seminar werden wir uns mit unterschiedlichen Sprachstandserhebungen auseinandersetzen und anschließend gemeinsam gezielte Fördermöglichkeiten erarbeiten.

Sprachförderung 6: Literacy – Leih mir Dein Ohr

„Nicht das Werkzeug hat den Menschen zum Menschen gemacht, sondern das Wort.
Nicht der aufrechte Gang und der Stock, um damit nach Nahrung zu graben oder zu
kämpfen, machen den Menschen zum Menschen, sondern die Sprache.“
(Literaturpreisträgerin Nadine Gordimer)

Literacy – ein englisches Wort, für das es keine deutsche Entsprechung gibt – ist ein Sammelbegriff für kindliche Erfahrungen rund um die Buch-, Erzähl- und Schriftkultur. Schon seit der Steinzeit sind Bilder und Geschichten ein „menschentypisches“ Handwerkszeug, um die Sprache zu erlernen. Erwiesenermaßen haben Kinder, die reichhaltig Literacy-Erfahrung sammeln, langfristige Entwicklungsvorteile sowohl im Bereich sprachliche Kompetenz, als auch beim Lesen und Schreiben.

In diesem Seminar werden Sprachanreize und Förderchancen im pädagogischen Alltag anhand von Bildern, Bilderbüchern und Geschichten vorgestellt.
Das Seminar will Ihnen:

* Orientierungshilfe im Bereich der Kinder- und Jugendliteratur geben
* Grundlagen für die Buch- und Geschichtenauswahl an die Hand geben
* Vorlese- und Erzählmethoden vermitteln
* Tipps und Tricks verraten, wie Sie Kinder zum „Lesen“ verführen können
* Ein Austauschforum für eigene Erfahrungen und Wissen im Bereich der Leseförderung bieten
Des weiteren sammeln Sie Erfahrung im Umgang mit Ihrer Stimme und Ihrem Körper, denn Mimik, Gestik, Artikulation sind Schwerpunkte der Weiterbildung.

Referentin: Karin Kotsch

http://www.ko-libri.de

Sprachförderung 7: Bewegte Sprache

 

 

„Bewegung ist Antrieb und Grundlage für körperliche, geistige und seelische Entwicklung“
Referentin: Martina Ducqué