Vorlesen - auf Deutsch und Türkisch

Vorlesen - auf Deutsch und Türkisch

Peter Riffenach schrieb für die Wertheimer Zeitung im April 09 folgenden Artikel
Vorlesen – auf Deutsch und auf Türkisch

Neues Projekt Arbeitskreis in der Wertheimer Moschee
Wertheim-Reinhardshof

Gemeinsam mit der Öffentlichkeitsbeauftragten der türkisch-islamischen Gemeinde, Nimet Seker, hat die Fachkraft für frühkindliche Sprachförderung und interkulturelle Kompetenz, Martina Ducqué, in der Moschee auf dem Reinhardshof einen Arbeitskreis initiiert, in dem türkischen Eltern vermittelt werden soll, wie wichtig Vorlesen in der kindlichen Entwicklung ist. 60 Kinder und Erwachsene kamen zum ersten Treffen.

“Beim Erzählen oder Vorlesen hören kleine Kinder wie gebannt zu. Fantasie und Kreativität werden angeregt. Zudem orientieren sie sich an den Sprachvorbildern ihrer Umwelt”, sagte Ducqué. Deshalb sei es wichtig, mit Kindern regelmäßig zu sprechen und ihnen vorzulesen. Dabei sei es wichtig, die Muttersprache nicht außer Acht zu lassen, erklärte sie den türkischen Eltern, sondern zu zeigen, dass ihre Herkunftssprache etwas Besonders sei und Wertschätzung verdiene. Deshalb stellte sie auch viele zweisprachige Bücher vor.

Wie schön vorlesen sein kann, demonstrierten die beiden Initiatorinnen mit Passagen aus dem Buch “Der Elefant, der Masern hatte”, abwechselnd in deutscher und türkischer Sprache. Wobei sie auch die Rollen wechselten, also Martina Ducqué einen Teil in Türkisch und Nimet Seker einen in Deutsch übernahm. Sie wolle zeigen, dass man auch in einer fremden Sprache vorlesen könne, auch wenn man die Sprache nicht perfekt beherrsche, erläutert Ducque: “Das ist gleichzeitig auch eine gute Übung für sie selbst.”

Nimet Seker und Martina Ducqué beim Lesen

Regelmäßigkeit sei ein wichtiger Bestandteil. “Lesen sie ihrem Kind regelmäßig vor und räumen sie dem Bücherlesen einen festen Platz im Tagesablauf ein”, riet sie den Eltern. Wichtig sei auch, den Kindern die Möglichkeit zu schaffen, in der Moschee mit Büchern in Berührung zu kommen, regte sie die Einrichtung einer Bibliothek an. Ziel ihrer Aktion sei auch, Lesepaten in der türkischen Gemeinde zu finden, die mit den Kindern lesen üben und ihnen die Begeisterung daran vermitteln.

Eigene Anmerkungen zu dem Artikel:

Wie schwer es ist eine fremde Sprache zu lesen, welche Eigenarten sie hat und wie schwierig ihre Aussprache ist, habe ich an diesem Tag selbst erfahren können.  Eine Woche lang habe ich das Lesen geübt, mehrere Stunden habe ich vorgelesen und immer wieder wurde ich korrigiert, doch ich habe mich von meinem Vorhaben, wenigstens die Sprache lesen zu können nicht abbringen lassen. Einen besonderen Dank all jenen, insbesondere Nimet Seker und Yasemin , die mich bei meinen ersten Leseversuchen geduldig begleitet haben.

Dank des deutschsprachigen Textes, der direkt darunter stand konnte ich die Inhalte erschliessen, doch die richtige Betonung war die größte Herausforderung. Die überraschten Gesichter zu sehen, die Verwunderung der Kinder zu erleben “die Martina spricht türkisch”, hat den ganzen Aufwand gelohnt. Ich wollte selbst erleben, was es bedeutet, diese Hürde zu nehmen und meine Achtung all jener Menschen gegenüber, die mehr als eine Sprache in Wort und Schrift beherrschen, ist erneut gewachsen.