Sprache – Kultur – Kompetenz Martina Ducqué

Erzähle mir und ich vergesse, zeige mir und ich erinnere mich, lass mich tun und ich verstehe. (Konfuzius)

Beiträge mit Schlagwort Wertheim – Wartberg

Eröffnungsfeier:

Die Wertheimer Projektreihe »Integranz« beginnt mit einem Zeichen für Toleranz und Integration

Wertheim Als die bunten Ballons in den Himmel über dem Wertheimer Rathaus gestiegen waren, war Alex Schuck froh. »Jetzt hoffen wir mal, dass uns auch all die Menschen, die eine Postkarte finden, die Karte wieder zurückschicken«, sagte Schuck von der präventiven Jugendhilfe des Diakonischen Werks.

Er betreut die Projektreihe »Integranz«, ein Wortspiel aus »Toleranz« und »Integration«, die am Dienstagabend mit einer Feier im Arkadensaal begonnen hat.
Courage-AG führt durch den Abend
Ein symbolisches Zeichen waren die Luftballons, mit dem die Wertheimer auf mehr Toleranz in der Gesellschaft hinweisen wollten. Die bunten Karten, die an den Ballons baumelten, haben Mitglieder der Courage-AG der Comenius-Realschule in Bestenheid mit Fingerfarben gestaltet. »Rassismus stinkt«, »Love« und »Peace« war auf den farbenfrohen Karten zu lesen. Die Schülerinnen der Courage-AG führten an dem Eröffnungsabend durch ein Programm, das ganz im Zeichen von Integration und Toleranz stand.
Die drei türkischen Mädchen Rumeysa, Halenur und Aysun begrüßten die Gäste im Arkadensaal mit einem Lied aus der Türkei, bevor die Gruppe »Funktastic« auf dem Steinboden das Tanzbein schwang. Die 15-jährige Jenny Aroca Roman begeisterte die Zuhörer mit dem Lied »Manos al aire« von Nelly Furtado. Die Schülerin der Grund- und Werkrealschule »Alte Steige« ist schmal und zierlich, doch mit ihrer gewaltigen und kräftigen Stimme überraschte sie das Publikum. »Ganz toll hast Du gesungen, fantastisch«, lobte auch ihre Schulleiterin Alice Jäger. Jennys Vater kommt aus Spanien und manchmal sprechen sie zu Hause auch spanisch: »Eigentlich singe ich aber mehr auf Spanisch, als dass ich es spreche«, sagte Jenny.
Sie singt in der Band »WISPR«, einem Integrationsprojekt, das die Wertheimer Jugendarbeit ins Leben gerufen hat. Am kommenden Samstag hat die Band ihren ersten Auftritt im Rahmen der Integranz-Reihe. »Diese Aktionstage sollen dazu beitragen, das Thema Integration in die Mitte unserer Gesellschaft grundsätzlich und in diesen Tagen speziell in das Wertheimer Umfeld zu holen«, sagte Bernd Hartmannsgruber, der als Vertreter des Oberbürgermeisters gekommen war.
Neben der Veranstaltungsreihe »Integranz«, die von mehreren Wertheimer Kooperationspartnern geplant und organisiert wurde, ist bis Donnerstag, 9. Juni, im Arkadensaal auch die Wanderausstellung »anders? – cool!« des Jugendmigrationsdienstes zu sehen.
Fokus auf jugendliche Migranten
»Wertheim ist der 32. Ort in Deutschland, an dem die Ausstellung gezeigt wird«, berichtete Irena Frank vom Jugendmigrationsdienst des Roten Kreuzes in Tauberbischofsheim. So solle der Fokus auf die Lebenssituation von Jugendlichen mit Migrationshintergrund gerichtet werden. »Denn die Besonderheit bei Kindern und Jugendlichen ist, dass es immer die Eltern oder andere Erwachsene sind, die bestimmen, wohin die Kinder ziehen müssen.«
Wie die Kinder und Jugendlichen mit ihrer speziellen Situation umgehen und welche Probleme sich ergeben, das solle die Ausstellung zeigen.
Melisa, Vanessa, Jennifer und Claire engagieren sich in der Courage-AG der Comenius-Realschule in Bestenheid, sie kämpfen gegen Rassismus an ihrer Schule. Und deshalb war es ihnen wichtig, beim Projekt »Integranz« mitzumachen: »Integration ist uns wichtig, niemand soll ausgegrenzt sein«, sagte Jennifer Balke, die in die neunte Klasse geht. »Wir haben schon viele Unterschriften gegen Rassismus gesammelt«, berichteten die Mädchen, die am Ende auch die Luftballons mit Gas füllten.

 

Susanne Gilg schreib für die Wertheimer Zeitung

 

Weitere Informationen zur Ausstellung

http://www.wertheim24.org/news.php?nid=169

Elmar Kellner schrieb für die Fränkischen Nachrichten

Wartberg: Gremiumsvorsitzende Renate Gassert informierte über lange Verhandlungen

“Stadtteilbeauftragter” kommt

Wartberg

Wie die Stelle bezeichnet werden wird, das weiß noch niemand so ganz genau. Letztlich ist dies aber auch ohne Bedeutung. Dass sie kommt, das ist wichtig. Und das scheint sicher. Im Herbst wird auf dem Wartberg ein Stadtteilbeauftragter, so der “Arbeitstitel”, seine Tätigkeit aufnehmen. Mit ihm oder ihr verbinden sich viele Hoffnungen, dass die Integration noch besser gelingen wird.

Stadtteilbeiratsvorsitzende Renate Gassert informierte in der Sitzung des Gremiums am Montagabend im Kirchenzentrum die Öffentlichkeit darüber, was in monatelangen Besprechungen und Verhandlungen zuvor gelungen ist. Seit mehr als eineinhalb Jahren, so Gassert, beschäftige man sich mit der Thematik, auf die man über die Diskussion um ein Wegeleitsystem für den Wartberg gekommen sei (wir berichteten). Die Initialzündung sei ein Besuch im Würzburger Stadtteil “Heuchelhof” gewesen, der zwar größer sei als der Wartberg, aber letzlich die gleichen Probleme habe. Letztlich habe man auch die Stadt davon überzeugen können, “dass wir diese ehrenamtlich nicht lösen können”.

Schwierig, so die Stadtteilbeiratsvorsitzende, habe sich die Suche nach der Finanzierung gestaltet. Die Stadt Wertheim könne sie nicht schultern, und es gebe zwar auf den verschiedensten Ebenen die unterschiedlichsten Sozialfonds, “in die wir aber angeblich überall nicht hineingepasst haben”.

Die “Rettung” kam schließlich über Kontakte zum Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Ein entsprechender Antrag sei im Juni genehmigt worden, berichtete die Rednerin. Nun werde eine 50-Prozent-Stelle ausgeschrieben und, nach Auswahl eines geeigneten Bewerbers beziehungsweise einer Bewerberin hoffe man, dass dieser Mensch im Oktober, spätestens im November seine Arbeit aufnehmen könne.

Vom Bundesamt beaufsichtigt

Das Projekt, erklärte die Stadtteilbeiratsvorsitzende weiter, sei zunächst auf drei Jahre befristet und werde vom Bundesamt beaufsichtigt. Das Domizil des oder der künftigen Stadtteilbeauftragten solle ein ehemaliger Friseursalon mitten im Wartberg sein, den kürzlich die Stadtentwicklungsgesellschaft übernommen habe.

“Es war ein ganz langer, harter Weg”, bilanzierte Renate Gassert. “Aber wir haben etwas Großes geschafft.” Sie würdigte alle Beteiligten und insbesondere die jüngst verstorbene Kreisgeschäftsführerin des Roten Kreuzes, Renate Streng, die sich große Verdienste um den erfolgreichen Abschluss der Bemühungen erworben habe. Gassert bat auch um Verständnis, dass das Projekt sich, zunächst einmal, auf den Wartberg beschränke, der in seiner Bevölkerung zwei Drittel Menschen mit Migrationshintergrund aufweise. Überlegungen, ob und wieweit eine Ausdehnung auf den Reinhardshof möglich sei, müssten später angestellt werden. “Die jungen Leute”, merkte die Vorsitzende weiter an, “machen jedenfalls keinen Unterschied zwischen beiden Stadtteilen”.

Auf Nachfrage von Robert Spettel erklärte Gassert, der Stadtteilbeirat werde bei der Auswahl der geeigneten Bewerber beteiligt. Klaus von Lindern bedauerte, dass es nicht machbar gewesen sei, den Wartberg in das Programm “Soziale Stadt” aufzunehmen.

Der Stadtteilbeirat beschäftigte sich auch noch einmal mit dem Videoprojekt “Gibt es eine Zukunft für Jugendliche auf dem Wartberg”. Der Film hatte kürzlich im Kirchenzentrum Premiere und wurde auch beim Stadtteilfest auf dem Reinhardshof gezeigt (wir berichteten).

Er hätte noch mehr Aufführungsmöglichkeiten verdient, war nicht nur die Meinung von Klaus von Lindern. Der Vorsitzende des Stadtteilbeirates Reinhardshof, Walter Ploch, meinte auf entsprechende Überlegungen zu weiterführenden Aktionen, es habe sich eigentlich, nach seiner Kenntnis, um ein abgeschlossenes Projekt gehandelt. Nach den positiven Reaktionen auf den Film scheine sich diese Haltung aber gerade zu ändern. Martina Ducque hatte festgestellt, viele Jugendliche seien recht erstaunt gewesen, dass andere junge Leute in dem Film “offen und ruhig ihre Meinung gesagt” hätten und dies offensichtlich Widerhall finde.