Elmar Kellner schreib für die Fränkischen Nachrichten

Familiennnetzwerk: Vom Seniorenbeirat über Lesepaten bis hin zur “Willkommenskultur” für Neubürger und der “Familienpatenschaft”

Wertheim. An neuen Ideen mangelt es ganz offensichtlich nicht. Vier Projektvorschläge wurden bei der ersten Vollversammlung des Familiennetzwerkes Wertheim am Mittwochabend in der Aula Alte Steige vorgestellt und diskutiert.

So gibt es Gedanken, einen Seniorenbeirat ins Leben zu rufen, eine, laut Oberbürgermeister Stefan Mikulicz, “wunderbare Idee”, für die als Ansprechpartner Jürgen Küchler benannt war. Der sah “offensichtlich einen Bedarf, die Interessen älterer Menschen zu vertreten” und suchte dafür weitere Mitstreiterinnen und – streiter. Einige potenzielle Unterstützer fanden sich offenbar im späteren lockeren Beisammensein, wie Küchler zum Abschluss der Vollversammlung berichtete. Wie zu Beginn schon von ihm eingeräumt, herrschte aber auch nach der Diskussionsrunde noch etwas Unklarheit “über Sinn und Zweck eines Seniorenbeirates”. Darüber wolle man sich bei einem ersten Treffen weiter austauschen.

Ihre Praxistauglichkeit längst unter Beweis gestellt haben die “Lesepaten”, von deren Tätigkeit Andrea Schwitt-Graf sehr anschaulich und lebendig erzählte. “Sie lesen gerne? Sie lesen gerne vor? Und wenn Sie dann auch noch kontaktfreudig sind, dann sind Sie dafür geeignet”, warb sie für weitere Mitstreiterinnen und – vor allem – Mitstreiter, denn Vorleser sind bislang rar.

Paten werden nicht enttäuscht

14 aktive Lesepaten sind laut Schwitt-Graf derzeit vor allem in der Grundschule Wertheim aktiv. Aber “wir lesen auch in höheren Klassen vor”. Und “ich habe bislang keine Lesepaten getroffen, die enttäuscht gewesen wären. Kinder mögen es, vorgelesen zu bekommen”. Ausgebaut und vertieft werden, so Schwitt-Graf, soll die Kooperation mit der Stadtbücherei.

Um eine mögliche Projektgruppe zur Begrüßung von neu zugezogenen Bürgerinnen und Bürgern kümmert sich Volker Klein. Es gehe darum, eine Art “Willkommenskultur” zu schaffen, führte er aus und Menschen, die aus beruflichen oder anderen Gründen nach Wertheim kommen, eventuell auch dazu zu ermuntern, sich hier zu engagieren.

Bislang erhalten die Neubürger ein umfangreiches Informationspaket. Und auch die seit der Wiedereinführung ausgesprochene Einladung zum Neujahrsempfang findet, so OB Mikulicz, guten Anklang. Spontan, freute sich Klein nach der Gesprächsrunde, hätten sich einige Interessierte zur Mitarbeit bereitgefunden und es gebe auch bereits weitere Ideen.

In einem weiteren Projekt geht es schließlich um die Ferienbetreuung. “Die Herbstferien stehen vor der Tür, was passiert mit den Kindern?”, nannte Rektorin Alice Jäger einen aktuellen Anlass. Nicht nachvollziehen konnte sie, dass es auf Umfragen nach Betreuungswünschen so wenig Resonanz gab, nachdem das Thema in verschiedenen Veranstaltungen als Wunsch und Bedürfnis immer wieder genannt worden ist. Dem will man nun nachgehen.

In der Diskussionsrunde wurden weitere Vorschläge gemacht. So brachte Pfarrerin Cornelia Wetterich eine Familienpatenschaft ins Gespräch.

Susanne Engelhardt vom Migrationsdienst des Roten Kreuzes knüpfte Verbindungen zum Frauenverein, da sie von Frauen, die an den Integrationskursen der VHS teilnehmen weiß, dass diesen anschließend meist Kontakte fehlen.

Martina Ducqué, Erzieherin und Fachfrau  für frühkindliche Sprachförderung und interkulturelle Kompetenz bot ihre Mitarbeit und Unterstützung bei entsprechenden Projekten an. ek

Fränkische Nachrichten
29. Oktober 2010