Sprache – Kultur – Kompetenz Martina Ducqué

Erzähle mir und ich vergesse, zeige mir und ich erinnere mich, lass mich tun und ich verstehe. (Konfuzius)

Beiträge mit Schlagwort pädagogischer Alltag

 

Bilderbuchpreis HUCKEPACK 2018

Mit Bilderbüchern Kinder stärken!

Preisträgersiegel
Preisträgersiegel
© AG Bücher für Vorleser

Seit 2016 verleihen das Bremer Institut für Bilderbuchforschung (BIBF) und das Projekt „Vorlesen in Familien“ der Phantastischen Bibliothek Wetzlar den vom pädagogischen Verlag „das netz“ mit 1000 Euro dotierten Bilderbuchpreis HUCKEPACK an Bilderbücher, die nicht nur durch ihr Zusammenspiel von Text und Bild überzeugen, sondern darüber hinaus in besonderer Weise dazu geeignet sind, Kinder im Rahmen des Vorlesens emotional zu stärken. Auf der Shortlist für den HUCKEPACK-Preis 2018 stehen elf Bilderbücher, die nach Meinung der Jury in hohem Maße dazu geeignet sind, Kindern das Gefühl zu vermitteln, wertgeschätzte Mitglieder der Gesellschaft zu sein. In den Büchern würden sich Erwachsene und Kinder auf Augenhöhe begegnen, zudem regten die Geschichten dazu an, sich in andere hineinzuversetzen. Das Preisbuch 2018 wurde am 14. April 2018 im Rahmen der fachwissenschaftlichen Tagung „Mit dem Herzen beim Anderen – Mit Bilderbüchern Empathie fördern“ in Weimar bekannt gegeben.

HUCKEPACK-Preisträgerin 2018
Aus ins­ge­samt 209 vorliegenden Bilderbüchern wählte die HUCKEPACK-Jury ein­stimmig das Preisbuch 2018 aus:

Ich war’s nicht!, sagt Robinhund
Von Lima de Faria
Aus dem Dänischen von Kerstin Schöps
Mixtvision, 2017
Cover

„Das war ich nicht!“ – Wohl kaum ein anderer Satz kann in so ureigener kindlicher Empörung geäußert werden und dabei doch sofort auf Zweifel stoßen. Denn sehen Erwachsene in der Verleugnung einer Tat nicht fast automatisch ein kleines Schuld­eingeständnis? Robinhund jedenfalls stößt auf wenig Verständnis, als er in der Kita die Milch umstößt, beim Schaukeln zu wild ist und dann auch noch mit dem Fußball ein anderes Kind in den Bauch trifft. „Ich war’s nicht!“, sagt Robinhund jedes Mal aufs Neue, doch niemand glaubt ihm – alle haben ja genau gesehen, was er gemacht hat. Und sollte jemand nicht genau hin­geguckt haben, dann ist da ja noch der hilfsbereite kleine Tino, der immer mit dem Finger auf Robinhund zeigt, wenn etwas passiert.

Für Robinhund ist dieser Tag im Kinder­garten kein guter Tag. Und schaut man sich an, wie das Bilderbuch beginnt, dann gibt es wohl noch viele weitere Tage, die keine guten Tage für ihn sind.

Robinhund geht mit deutlichem Widerwillen in die Kita, muss von seinem großen Bruder regelrecht hingezerrt wer­den. „Die sind alle doof“, murmelt Robin­hund dabei vor sich hin, aber sein großer Bruder geht nicht weiter darauf ein.
Tatsächlich sind ja – objektiv betrachtet – auch gar nicht alle doof. Als Robinhund mit einiger Verspätung in der Kita eintrifft, wird er von der Erzieherin und ein paar Kindern schon an der Tür erwartet. Besonders Fritzi freut sich, ruft „Endlich!“ und wirft die Arme in die Luft. Fritzi ist es auch, der jubelt, als die Milch umfällt. Es sieht ja auch so lustig aus, wie sie Onno ins Gesicht spritzt und er dann so verdattert guckt. Erzieherin Hedda findet das weniger lustig, als sie Onno die Augen auswischt, und so schlägt sie vor, dass Fritzi und Robinhund doch draußen spielen könnten.

Jetzt möchte Fritzi gern hoch und wild schaukeln, viel höher, als erlaubt ist (wie Tino hilfreich anmerkt). Und wieder ist es Onno, der alles abbekommt. Erst die Milch, und jetzt den ganzen Fritzi, der im hohen Bogen durch die Luft geflogen kommt, weil das Halteseil der Schaukel reißt.

„Er war’s schon wieder!“ erklärt der kleine Tino hilfreich, als Hedda nach dem Rechten sieht. „Aber das war ich nicht!“, sagt Robinhund, der betreten daneben steht.

Wenig später ist zum Glück schon wieder alles vergessen. Robinhund spielt weiter mit Fritzi. „Schieß so fest du kannst!“, ruft Fritzi und Robinhund schießt, voller Begeisterung!

Endlich fühlt er sich so richtig wohl!

Die Freude indes währt nur kurz, weil der arme Onno schon wieder im Weg steht und der Erzieherin nun die Geduld reißt. Robinhund muss zu Sonja ins Büro! Hier kommt er schon gar nicht mehr dazu, seine Unschuld zu beteuern. Es gibt in Sonjas kleinem Büro kaum Raum für ihn, der sich klein und elend fühlt. In Robinhunds Wahr­nehmung ragt Sonja bedrohlich und über­menschlich groß vor ihm auf. Da bleibt nur die Flucht! Robinhund versteckt sich – vor Sonja und Hedda, vor seinen Freunden, vor diesem ganzen dummen Tag und beschließt, nie mehr herauszukommen.

Es ist ein herzzerreißendes Bild über eine ganze Doppelseite, mit dem Alice Lima de Faria diesen anderen Robinhund einfängt.

Nicht den knurrigen der ersten Seiten, nicht den spielenden, sondern den, der sich so allein und unverstanden fühlt, dass ihm eine dicke Träne über die Wange rinnt. So ist es gut, dass diese Schwere gleich nach dem Umblättern aufgehoben wird: Robin­hunds Bruder ist da. Er ist da und findet und ver­steht den kleinen Robinhund, der das doch alles nicht war. Nicht das mit der Milch, nicht das mit der Schaukel und auch nicht das mit dem Ball – einfach weil er nichts, rein gar nichts von alledem mit Absicht gemacht hat!

Ich war’s nicht!, sagt Robinhund ist eines dieser besonderen Bilderbücher, in denen durch eine kaum wahrnehmbare kleine Drehung die kindliche Wahrnehmung in den Vordergrund gerückt wird. Alice Lima de Faria gibt damit all den Kindern eine Stimme, die es noch nicht vermögen, sich selbst mit Worten zu verteidigen. Sie trägt mit ihrem wunderbar warmherzigen und dabei so anrührend illustrierten Bilderbuch dazu bei, dass erwachsene Vorleser nach­denklich werden. Wie oft haben sie schon „Das war ich nicht!“ gehört, ohne sich zu fragen, was für tiefere Gedanken womöglich hinter diesen Worten steckten.

Das Bilderbuch trägt dazu bei, mehr Ver­ständnis für diejenigen Kinder zu schaffen, auf die immer irgendjemand mit dem Finger zeigt. Gleichzeitig regt es die Erwachsenen zur kritischen Reflexion an: Niemand von uns möchte so furcht­einflößend erscheinen, wie hier Sonja in ihrem Büro. Doch sollten wir Großen nicht vergessen, dass wir genau diese Wirkung haben können auf Kinder, die sich ohnehin schon klein und elend fühlen. Was hier im Ungleichgewicht gezeigt wird, rückt Robin­hunds Bruder wieder gerade: »Wenn er sich zu Robinhund hinunterbeugt, dann sind sie gleich groß«, heißt es zu Beginn des Bilderbuchs. Und es ist dieses Bild, das wir im Herzen bewahren sollten!

Über die Autorin
Alice Lima de Faria, 1968 geboren, ist eigentlich eine norwegisch-schwedische Büh­nen­bild­ne­rin und Illustratorin, die ihre Ausbildung an der Hochschule für Design und Kunsthandwerk in Göteborg/Schweden und der Danmarks Designskole in Kopen­hagen absolvierte.

„Ich war’s nicht!, sagt Robinhund“ ist ihr Debüt als Bilderbuchautorin. Seither hat sie weitere Geschichten verfasst, die vom schwedischen Fernsehen umgesetzt wer­den. Auch ein weiteres Bilderbuch hat sie in der Zwischenzeit publiziert.

Robinhund wird im Bilderbuch immer wieder beschuldigt, etwas getan zu haben, an dem er sich unschuldig fühlt. „Ich war’s nicht!“, sagt er, wenn wieder mit dem Finger auf ihn gezeigt wird. Der berührende Wendepunkt tritt ein, wenn klar wird, dass er sich unschuldig an allem fühlt, das er nicht absichtlich angestellt hat – ein Umstand, den die meisten Erwachsenen wohl anders sehen. Das Bilderbuch regt dazu an, zweimal nachzudenken, bevor man mit einem Kind schimpft und zwischen Missgeschicken, die einfach so passieren, und anderen Situationen, in denen vorsätzlich gehandelt wurde, zu unterscheiden.

HUCKEPACK-Bestenliste 2018 (die Reihenfolge entspricht keiner Wertung):

Zwei Meter bis zum Meer
Von Bruna Barros
Edition Orient, 2017

Haselnusstage
Von Emmanuel Bourdieu (Text) & Zaü (Illustration)
Aus dem Französischen von Maren Illinger
MinEdition, 2017

Stromer
Von Sarah V. & Claude Dubois
Aus dem Französischen von Tobias Scheffel
Moritz Verlag, 2017

Meine neue Mama und ich
Von Renata Galindo
Aus dem Englischen von Thomas Bodmer
NordSüd Verlag, 2017

Wut
Von Susana Gomez-Redondo (Text) & Aparicio Català (Illustration)
Aus dem Spanischen von Mona Steigerwald
Alibri, 2017

Alfonso, das macht man nicht
Von Daisy Hirst
Aus dem Englischen von Sophie Birkenstädt
Aladin, 2017

Von der Kostbarkeit des Wassers
Von Anne Jonas (Text) & Marie Desbons (Illustration)
Tintentrinker, 2017

Walter kriegt Besuch
Von Paula Metcalf
Aus dem Englischen von Meike Blatzheim
Magellan, 2017

Otto war nicht begeistert
Von Jutta Richter (Text) & Jacky Gleich (Illustration)
Hanser, 2017

Anton auf dem Baum
Von Michael Wrede
minEdition, 2017

HUCKEPACK – Jury 2018
Die HUCKEPACK-Jury setzt sich alternierend aus den Mitgliedern der „AG Bücher für Vorleser“ zusammen, einer Arbeitsgruppe, die jedes Jahr die besten Bilderbücher für das Projekt „Vorlesen in Familien“ auswählt.

Maren Bonacker
Kinder- und Jugendabteilung der Phantastischen Bibliothek Wetzlar

Sabine Coldehoff
Buchhändlerin

Martina Ducqué
Erzieherin, Fachkraft für frühkindliche Sprachförderung und interkulturelle Kompetenz

Prof. Dr. Jochen Hering
Bremer Institut für Bilderbuchforschung (BIBF), Universität Bremen

Prof. Dr. Sven Nickel
Bremer Institut für Bilderbuchforschung (BIBF), Universität Bremen

Angelika Nitschke
Projektleiterin und Koordinatorin des Projekts »Vorlesen in Familien«, Wetzlar

Svenja Partheil
Projektmanagerin des Projekts »Vorlesen in Familien«, Wetzlar

Dipl. Bibl. Bettina Twrsnick
Lese- und Literaturpädagogin, Leiterin der Phantastischen Bibliothek Wetzlar

Hanne Verloh
ehem. Gesamtschullehrerin und Päd. Leitung des Zentrums für Literatur, Rezensentin der AJuM der GEW

Kontakt:
Angelika Nitschke
Projektleitung „Vorlesen in Familien“
Phantastische Bibliothek Wetzlar
Turmstraße 20
35578 Wetzlar
Tel.: (06441) 4001-46
E-Mail: vif@phantastik.eu
www.phantastik.eu/projekte/vorlesen-in-familien.html

Bremer Institut für Bilderbuchforschung (BIBF)
Universität Bremen, Fachbereich 12
Universitäts-Boulevard 11/13
28359 Bremen
Tel.: (0421) 218-69430 (tgl. 12-13 Uhr)
E-Mail: bibf@uni-bremen.de
www.bibf.uni-bremen.de

Empathie im Bilderbuch

Messen wir den Wert einer Gesellschaft an ihrem Umgang mit Schwächeren, beispielsweise am Umgang mit Kindern und Armen, dann gehört Empathie, die Fähigkeit zu Mitgefühl und Mitleid, zu den wichtigsten Erziehungszielen in der frühen Kindheit. In der Schule kommt die Pflege dieser Fähigkeit eher zu kurz, weil sie zum Erbringen hoher Leistungen nicht notwendig ist. Umso wichtiger ist es, in der frühkindlichen Erziehung hier einen Schwerpunkt zu setzen.

Bilderbücher mit ihren Geschichten und emotionsstarken Illustrationen helfen, die kindliche Fähigkeit zur Empathie zu pflegen und zu fördern. Und der Huckepack-Bilderbuchpreis zeichnet genau solche Geschichten und Bilder aus, die Kinder in besonderer Weise in ihrer inneren Entwicklung unterstützen.

Elf Huckepack-Bilderbücher stellt dieses Betrifft KINDER Extraheft vor, nämlich die, in denen sich nach Meinung der HUCKEPACK-Jury für Kinder in besonderer Weise die Fähigkeit zur Empathie spiegelt. Verbunden sind die Beitäge zu den Bilderbüchern mit wissenschaftlichen Erklärungen und praktischen Anregungen für die Arbeit in der Kita, wo das Thema Empathie immer eine Rolle spielt.

 

Jochen Hering (Hrsg.)
Mit dem Herzen beim anderen
Empathie im Bilderbuch
42 Seiten, Weimar 2018
ISBN 978-3-86892-148-9

 

Mit einem Beitrag von mir zum Bilderbuch “ Wut“.

WETTERAUKREIS – (ihm).

Die Ernst-Ludwig-Buchmesse steht in Bad Nauheim wieder auf dem Programm.

Besucher erwartet am Wochenende ein modernes Angebot rund ums Thema Buch.

Ort ist die Trinkuranlage (Ernst-Ludwig-Ring 1), der Eintritt ist frei.
Meine Kollegin Claudia Lang  von der Leseflotte ist vor Ort und steht Rede und Antwort.

https://www.kreis-anzeiger.de/lokales/wetteraukreis/landkreis/rund-ums-geschriebene-wort-am-wochenende-ernst-ludwig-buchmesse-in-bad-nauheim_18611976.htm

22.06.2017 Nach dem Workshop wurde ich spontan von Bildungsklick TV zu einem Interview eingeladen. Neugierig?

Und weiter gehts…Kleider waschen, Schuhe einlaufen, Präsentationen vorbereiten und das alles bis Montag! Ab Dienstag bin ich auf der Didakta in Köln und „wohne“ hier! Wer Lust hat mich zu treffen, mit mir einem Kaffee zu trinken oder „fachsimpeln“ möchte, ist herzlich willkommen!

Es erfüllt mich mit Freude und Stolz ein Teil des Anadolu Teams zu sein. Ich kann es fast schon nicht mehr abwarten das erste Buch in Händen zu halten! Das wird ein ganz besonderes Weihnachtsgeschenk! أنا فعلا نتطلع إلى جزيلا!


https://neuheiten.koelnmesse.net/790/2016/de/products/view/product_id:24665/cat:31735

 

 

 

Im Januar 2014 haben wir uns getroffen und alles Weitere besprochen. Mir war nicht mehr bewusst, das es schon so lange her ist, das wir uns damit beschäftigen! Doch “ Gut Ding will Weil!“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

39 Kolleginnen und ein Kollege setzten sich einen Tag lang mit dem Schwerpunkt: „Beobachten und Dokumentieren“ im pädagogischen Alltag auseinander. Vorgestellt und diskutiert wurden unterschiedliche Beobachtungsverfahren um den „richtigen“ für die eigenen Einrichtung und der dort zu betreuenden Kinder zu finden. Anstregend – aber wieder ein weiterer Schritt um den Fokus in Sachen Bildung auf die Kinder zu richten. Ein großes Danke an die Teilnehmer!

Spielerisch Sprach- und Sprechanlässe schaffen

Workshop in der Kinder und Jugendbibliothek im Dalberhaus (N3,4)

Zu Beginn des Workshop stellte Patricia Hahne Wolter, die Bilderbücher “ Meine Wörter reisen“ und „Meine Wörter reisen von drinnen nach draussen“, vor. Weiterführend wurden Praxisideen und Methoden vorgestellt, wie spielerisch Sprach- und Sprechanlässe in alltäglichen Situationen mit den Kindern durchgeführt werden können. 16 Teilnehmenrinnen die in Kindergärten, Horten und Schulen mit Kindern arbeiten, erpobten die vorgestellten Methoden und waren sich anschlließend einig, diese in ihre Arbeit einfliessen lassen zu wollen. Zum Schluss fasste eine Teilnehmerin der Workshop wie folgt zusammen. „Die zwei Stunden sind wie im Flug vergangen, doch ich werde jetzt im „Reisebegleiter“ und dem „Erzählwürfel“ nochmal alles in Ruhe nachlesen! Vielen Dank für die  gelungene Veranstaltung!“

Die letzen Vorbereitungen für Modul 5 sind abgeschlossen

 

Am  7/8.5.2015 werde ich in Bielefeld das letzte Modul mit einem Workshop beenden. Dabei wird das „Didaktik Komplet Paket“ meine Grundlage bilden. Der „Reisebegleiter“ und der „Erzählwürfel“ werden mir ein treuer Wegbegleiter zur Multiplikatorin in alttagsintegrierter Sprachbildung und Beobachtung im Elementarbereich ( Grundlagen für NRW und Kita.NRW) sein. Ich freue mich schon jetzt auf die vielen Kitas und die gemeinsame Arbeit.

Zur Umsetzung der Alltagsintegrierten Sprachbildung und Beobachtung in NRW werden ab 2015 vertiefende Qualifizierungsmaßnahmen für Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen und in der Kindertagespflege angeboten. Die Fortbildungen können mehrtätig und möglichst so gestaltet sein, dass sie sich an das gesamte Team der Einrichtung und nicht nur an einzelne Sprachförderkräfte richten.

Das Land und die Spitzenverbände der freien und öffentlichen Träger von Kindertageseinrichtungen wollen sich auf eine gemeinsame Fortbildungsvereinbarung verständigen. Die Landesregierung beabsichtigt, die Fortbildungsangebote zur Alltagsintegrierten Sprachbildung und Beobachtung zu bezuschussen, die von hierfür zertifizierten Multiplikatorinnen und Multiplikatoren durchgeführt werden.

Weiterbildung von Multiplikatorinnen und Multiplikatoren

Rund 200 Multiplikatorinnen und Multiplikatoren werden derzeit vom niedersächsischen Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung – nifbe unter der Leitung von Frau Prof. Dr. Renate Zimmer auf der Basis der fachlichen Grundlagen „Alltagsintegrierte Sprachbildung und Beobachtung im Elementarbereich – Grundlagen für Nordrhein-Westfalen“ geschult. Sie sind somit auch in den Beobachtungsverfahren SISMIK, SELDAK, LISEB und BaSiK qualifiziert. Die Multiplikatorinnen und Multiplikatoren stehen den Trägern und Kindertageseinrichtungen ab 2015 für Fortbildungen zur Verfügung. Sie sind darin ausgebildet, Teamqualifizierungen durchzuführen. Darüber hinaus können sie auch Weiterbildungsbedarfen für einzelne Fachkräfte oder Bedarfen in einzelnen Themen entsprechen. (https://www.kita.nrw.de/)                                                                                             

 

Alltagsintegriete Sprachbildung und Beobachtung im Elementarbereich für das Land Nordrhein-Westfalen

Martina Ducqué ist freie Fortbildungsreferentin in der Erwachsenenbildung und hat die vom Land NRW vorgeschriebene Multiplikatoren Weiterbildung absolviert. Sie ist somit berechtigt Kita-Teams sowie Inhouse Seminare nach dem Curriculum der Landes NRW fort zu bilden.

Gute sprachliche Fähigkeiten sind die wichtigsten Schlüsselkompetenzen für den Bildungserfolg und bilden den Grundstein Sprechfreude zu initiieren.

Die Förderung und bestmögliche Unterstützung und das kontinuierliche Beobachten und Dokumentieren der sprachen Entwicklung eines Kindes sind mit Eintritt in die Kita eine zentrale Bildungsaufgabe im pädagogischen Alltag.

Für eine gelungene Sprachbildung ist es wichtig, die frühkindliche Bildung zu stärken. Pädagogische Fachkräfte sind somit gefordert Möglichkeiten zu schaffen, Sprache zu praktizieren sowie, alltagsbasiert, authentisch , handlungsbegleitende Anlässe zu schaffen. Dies gelingt am besten immer dort wo immer dann wenn Kinder mit Kindern bzw. Kinder mit Erwachsen in einen Dialog treten.

Die Kinder geben uns durch ihr eigenes Handeln Aufschluss, die Kunst besteht nur darin zu wissen, was kann ich wann und wie beobachten und wie dokumentiere ich es.

Kinder haben ihre eigenen Wege sich die Sprache anzueignen. Die Wissenschaft spricht dabei von den Spracherwerbsstrategien.

Inwieweit sie sich dabei von anderen Kindern unterscheiden und ob dies altersgerecht ist, lässt sich durch die Beobachtung beurteilen.

Hilfestellungen geben dabei sogenannte Beobachtungsverfahren. Besonders hervorgetan haben sich BaSik , Sismik und für die Kinder deren Muttersprache nicht Deutsch ist seldak . Für die eigene Beobachtungen der pädagogischen Fachkräfte und die Aufstellung der Einrichtung steht und anderen Liseb 1+2 zur Verfügung.

Das Leitprinzip der sprachlichen Bildung und Förderung stellt eine Umwelt des Kindes in

den Mittelpunkt, die die Neugier des Kindes anregt und herausfordert und dabei auch Raum

und Schutz bietet, die Vielfalt der Sprache explorativ zu erleben. Kinder sind bestrebt, die

Welt zu erforschen und die Rolle der Pädagoginnen und Pädagogen besteht im Initiieren, Be

gleiten, Beobachten und Unterstützen der kindlichen Bildungsprozesse.

Sprachbildung und Sprachstandsfeststellung

Erklärtes Ziel der Landesregierung ist die Weiterentwicklung der Sprachförderung und Sprachstandserfassung in NRW. So hat der Gesetzgeber das zum 01.08.2014 in Kraft tretende KiBiz-Änderungsgesetz beschlossen. Das geänderte Kinderbildungsgesetz sieht vor, die Sprachstandsfeststellung sowie das Verfahren Delfin 4 für Kinder, die eine Kindertageseinrichtung besuchen, durch eine alltagsintegrierte Sprachbildung und Beobachtung abzulösen.

Alltagsintegrierte Sprachbildung

Künftig wird eine Sprachbildung angestrebt, die integriert im pädagogischen Alltag stattfindet und alle Kinder der Einrichtungen von Beginn an erreicht. Eine alltagsintegrierte Sprachbildung orientiert sich an der Lebenserfahrung, den Interessen und Ressourcen der Kinder und greift handlungsrelevante Sprachanlässe des pädagogischen Alltags auf. Sie wird sowohl von den pädagogischen Fachkräften in den Einrichtungen als auch von den Eltern und weiteren Bezugspersonen der Kinder gestaltet und umgesetzt.

Entwicklungs- und prozessbegleitende Beobachtungen

Eine alltagsintegrierte Sprachbildung berücksichtigt die individuelle Sprachentwicklung von Beginn an. Daher sollen die kindlichen Sprachkompetenzen künftig entwicklungs- und prozessbegleitend beobachtet werden. Punktuelle Messungen in Form von Test- oder Screening-Verfahren sind nur unzureichend geeignet, da sie den Verlauf der Sprachentwicklung nicht in angemessener Weise berücksichtigen.

Zur entwicklungs- und prozessbegleitenden Beobachtung stehen unterschiedliche Beobachtungsverfahren zur Auswahl, von denen eines verbindlich eingesetzt werden soll. Aus den Beobachtungsergebnissen leitet sich die Förderstrategie für das einzelne Kind ab. Kinder, die eine verstärkte Unterstützung benötigen, werden häufiger gezielt in sprachanregende Situationen eingebunden.

Das Land beabsichtigt, auch weiterhin jährlich 25 Millionen Euro für die zusätzliche Sprachförderung zur Verfügung zu stellen. Finanziert werden sollen pädagogische Fachkräfte in den Kindertageseinrichtungen, in denen ein hoher Anteil an Kindern mit verstärktem Unterstützungsbedarf die Einrichtungen besuchen.

Das PDF zum Beobachtungsverfahren „Alltagsintegrierte Sprachbildung im Elementarbereich – Grundlagen für Nordrhein-Westfalen“ (PDF, 658 KB) steht Ihnen hier zur Verfügung.

 

Zur Information einige Auszüge:

 

Die Grundlagen der Alltagsintegrierten Sprachbildung werden nach drei Bereichen aufgegliedert,

 

  • Alltagsintegrierte Sprachbildung

 

 

Alltagsintegrierte Sprachbildung prägt den pädagogischen Alltag und erreicht alle Kinder der Einrichtung von Beginn an. Somit ist eine Alltagsintegrierte Sprachbildung auch immer eine inklusive Sprachbildung. Sie ist kein Konzept mit vorgegebenen Materialien und Zeiten. Vielmehr soll sie sich an den individuellen Interessen und

Ressourcen der Kinder von 0–6 Jahren orientieren und sich in den alltäglichen Ablauf integrieren. Dabei sind die

Eltern im Rahmen der Erziehungs- und Bildungspartner-schaft in die sprachliche Bildung einzubeziehen.

Sprachbildung umfasst alle Sprachbereiche:

Artikulation und Lautwahrnehmung (Phonetik und Phonologie), Wortschatz und Wortbedeutung (Lexikon und Semantik), Sprachmelodie (Prosodie), grammatikalische Regelbildung und Satzbau (Morphologie und Syntax) und sprachliches Handeln (Pragmatik). Sprachbildung versteht Sprache als Querschnittsaufgabe der pädagogischen Arbeit.

Eine Sprachbildung, die im pädagogischen Alltag statt-findet, orientiert sich an individuellen Sprachentwick-lungsverläufen.

Die pädagogischen Fachkräfte unterstützen den Bildungsprozess eines jeden Kindes bereits in

umfassender Weise. Sie greifen vielfältige Situationen im Alltag auf und stellen eine sprachanregende Umgebung

bereit. Bei der Auswahl von Themen und Angeboten orientieren sie sich an den Lebenswelten und den indivduellen Interessen der Kinder. Dabei ist von wesentlicher Bedeutung, dass sie sich ihrer Rolle als wichtiges Sprachorbild bewusst sind und jedes Kind ausgehend von seinen individuellen Sprachkompetenzen in seiner weiteren

sprachlichen Entwicklung unterstützen. Dementsprechend sind sie sensibel für Sprachanlässe, die sich in

unterschiedlichsten Situationen ergeben (beispielsweise bei musikalischen oder naturwissenschaftlichen Ange

-boten). Sprache ist nicht losgelöst vom pädagogischen Alltag zu betrachten, weshalb alle Bildungsbereiche im

Rahmen der Alltagsintegrierten Sprachbildung zum Tragen kommen.

Kinder, die mit einer anderen Erstsprache oder in spracharmen Verhältnissen aufwachsen, können einen zusätzlichen Sprachförderbedarf aufweisen. Für sie ist eine intensivere Unterstützung ihrer sprachlichen Entwicklung nötig. Künftig wird diese intensive Unterstützung nicht in einem additiven Setting, sondern im Rahmen Alltagsintegrierter Sprachbildung erfolgen….

 

  • geeignete Verfahren zur entwicklungs- und prozessbegleitenden Beobachtung,

…Für die Erfassung kindlicher Sprachkompetenzen sind punktuelle Messungen in Form von Test- oder Screening-

Verfahren nur unzureichend geeignet, da sie den Prozess der Sprachentwicklung nicht in angemessener Weise

berücksichtigen.Pädagogisch sinnvoll sind entwicklungs- und prozess-begleitende Beobachtungsverfahren, da sie eine Beurteilung der kindlichen Sprachkompetenzen im Alltag der Kindertageseinrichtungen ermöglichen…

 

  • nachhaltige Qualifizierungsmaßnahmen

Im Vordergrund steht die Umsetzung Alltagsintegrierter Sprachbildung, an der das gesamte Team und nicht nur

einzelne Sprachförderkräfte beteiligt sind.

 

 

Zur Professionalisierung der Fachkräfte im Sinne der Alltagsintegrierten Sprachbildung und Sicherung der

Nachhaltigkeit werden folgende Qualitätskriterien für Qualifizierungsmaßnahmen formuliert, die sich in zwei

Kategorien aufteilen lassen. Einerseits betrifft dies Aspekte, die die Ausgestaltung der Weiterbildungsmaß-

nahme thematisieren. Hierzu gehören die Praxisorientierung, die Intensität, der Methodeneinsatz, das Coaching

die kollegiale Beratung, die Supervision, die Nachhaltigkeit und die Selbstreflexion. Sie sind wichtige Bausteine

zur Verbesserung der Prozessqualität. Andererseits müssen inhaltliche Aspekte der Pädagogik und Linguistik

berücksichtigt werden, um den pädagogischen Fachkräften die nötigen theoretischen Kenntnisse zu vermitteln und ein breites Handlungsrepertoire zu bieten. …

 

 

Inhaltliche Aspekte

 

Theoretisches Grundwissen über Sprachentwicklung und Mehrsprachigkeit

  • Theoretische Kenntnisse über den Sprachentwicklungsverlauf ein- sowie mehrsprachig aufwachsender Kinder
  • Sprachdidaktisches Hintergrundwissen
  • differenziertes Wissen über die Sprachbereiche, Passung solchen Wissens zu den Ergebnissen der Beobachtung und Dokumentation als Basis für pädagogische Handlungsplanung

Module mit Bezug zu Sprachbeobachtung

 

  • Wissen über Wahrnehmung und Beobachtung als Grundlage
  • Qualifizierung für den Einsatz des jeweiligen Beobachtungsverfahrens der Einrichtung
  • Grundhaltung der Beobachtenden bei der Sprachbeobachtung
  • Umgang mit den gewonnenen Erkenntnissen

 

Module mit Bezug zu Sprachbildung

 

  • Sensibilisierung für die Sprachanlässe im Alltag
  • Situationswahrnehmung und daran anschließende Handlungsplanung, die sich direkt an dem Interesse und den Kompetenzen der Kinder orientiert
  • sprachförderliche Verhaltensweisen und die Gestaltung sprachanregender Interaktionen
  • Theoretische Kenntnisse und alltägliche Anwendung von gezielten Sprachlehrstrategien

 

Motivation,Haltung & Selbstreflexion

 

  • Vertiefung einer ressourcenorientierten Haltung gegenüber dem Kind
  • Fähigkeit zur Selbstreflexion

 

Name, Vorname Kontakt (Telefon, E-Mail, Homepage) Profil Voraussichtlich zertifiziert ab (Monat, Jahr) Bevorzugte Region (Bitte auswählen: Frei buchbar (Ja/Nein)
Ducqué, Martina Tel: 0173 30 38 6 38
E-Mail: info@sprache-kultur-kompetenz.dewww.sprache-kultur-kompetenz.de
Lese- und Literaturpädagogin, Erzieherin, seit 2004 Fachfrau für frühkindliche Sprachförderung und interkulturelle Kompetenz, Fortbildungsreferentin, Fachautorin, Mehsprachigkeit 01.04.15NRW-weit NRW-weit ja nein

 

 

 

frühstart legt bereits im Kindergarten den Grundstein für schulischen Erfolg und Integration.

Das Projekt frühstart– Deutsch und interkulturelle Bildung im Kindergarten, das auch vom Hessischen Sozialministerium unterstützt wird, leistet in mittlerweile zwölf hessischen Städten einen wichtigen Beitrag zu Bildung und Integration.

Durch die systematische Verknüpfung der Sprachförderung mit den Bausteinen interkulturelle Bildung, intensiver Elternarbeit und Vernetzung der Akteure vor Ort werden Kinder erfolgreich und nachhaltig gefördert.

So gelingen ihre Integration und ihr Schulerfolg.

https://www.fruehstart-hessen.de/frames2.php

 

Und wieder hat ein Seminar für die Kitas im Rahmen von Frühstart stattgefunden. 2 Tage wurden dem Thema sprachliche Entwicklung und Mehrsprachigkeit gewidmet, Wissen vermittelt, Materialien und Bücher vorgestellt, damit die Alltagsintegrierte Sprachförderung ihre Umsetzung finden kann. Ein engagiertes Team, welches mit viel Interesse und Offenheit sich diesen Themen zugewendet hat.

 

Alltagsintegrierte Sprachförderung bedeutet, dass die pädagogischen Fachkräfte sich in allen Situationen gegenüber allen Kindern sprachfördernd verhalten. Ihnen ist bewusst, dass bestimmte Verhaltensweisen (sprach)fördernd sind und andere nicht, sie setzen gezielt spezifische Grundprinzipien sprachfördernden Verhaltens ein, um die Kinder in ihrer Entwicklung zu unterstützen.