Sprache – Kultur – Kompetenz Martina Ducqué

Erzähle mir und ich vergesse, zeige mir und ich erinnere mich, lass mich tun und ich verstehe. (Konfuzius)

Beiträge mit Schlagwort Herkunftssprache


 



10. September 2015
Mehrsprachigkeit regional gedacht


Einladung: Ein ganzer Tag für Kinder mit Lesungen und Workshops. Danach für Erwachsene: Gedankenaustausch bei Vorträgen und Podiums-Gespräch

In Pulheims Kindergärten und Schulen sind Arabisch,  Englisch, Italienisch, Polnisch, Russisch, Türkisch und viele weitere Sprachen zu hören. Die WzK01 kunstinitiative und SchauHoer Verlag organisieren am Donnerstag, den 10. September einen ganzen Tag für Kinder und Erwachsene aus der Region, da hier mehr als 100.000 Menschen neben Deutsch weitere Muttersprachen sprechen. Die Veranstaltungen finden im Walzwerk-Atelier 50 statt, denn Kunst und Sprache sollen das bisherige Nebeneinander zu einem Miteinander verbinden!

Ob mehr- oder einsprachig: schon jetzt freuen sich Grundschul- und Kindergartenkinder auf die beiden hochkarätigen Autorinnen Jutta Bauer und Aygen-Sibel Çelik. Es wird gemeinsam gelesen, Sprachdetektiv gespielt und gemalt, was das Zeug hält: Jutta Bauers »Die Königin der Farben« wird auf polnisch und deutsch gelesen. Ganz sicher inspiriert die zweisprachige Lesung von 14 bis 16 Uhr zu einer ordentlichen Malrolle während des anschließenden Workshops mit der  Künstlerin.

Auf sehr anschauliche Art machen sich danach die Sprachdetektive an die Arbeit und suchen gemeinsam mit der Autorin nach türkischen und deutschen Ausdrücken und Bedeutungen. Aygen-Sibel Çelik wird von 8:30 Uhr und von 15:30 Uhr aus »Sinan und Felix« lesen, einer Geschichte über eine tiefe Freundschaft. Am Ende werden sicher alle aus der Lesung gehen und mindestens ein türkisches Wort ganz genau kennen!

Daneben können sich Eltern, Interessierte und Fachpersonal an Ständen rund um das Thema Mehrsprachigkeit informieren. Es werden Aspekte von binationalem Familienleben ebenso dargestellt wie türkische Sprachförderung sowie Bücher verschiedenster Verlage.

Speziell an interessierte Erzieher- und LehrerInnen sowie Eltern richten sich um jeweils 15:30 Uhr die kurzweiligen Vorträge der Fachautorinnen Martina Ducqué und Inés María Jiménez. Auf sehr praktische Art werden die Themen »Wie gestalte ich zweisprachiges Vorlesen?« und »Wie gelingt bilinguale Erziehung« behandelt.

Den Abschluss dieses spannenden Tages bildet die Podiums-Diskussion. Die Teilnehmer loten aus, welche Vernetzungen und Projekte bestehen oder angedacht werden können, damit statt eines Nebeneinanders ein Miteinander vor Ort möglich wird.

Ab 16:30 Uhr beginnt das Gespräch mit einem Impulsvortrag von Caterina Caperle, Kommunales Integrationszentrum.

Es diskutieren zum Thema »Pulheimer Begegnungen: Miteinander statt Nebeneinander – Sprachen, Religion und Aufwachsen in der gemeinsamen Region«

Johannes Böttcher (evangelischer Pfarrer Pulheim, Schwerpunkt Jugendarbeit) mit Canan Kalac (Sprach- und Islamwissenschaftlerin, 2. Vorsitzende des Moscheevereins Pulheim), M. Caterina Caperle (Lehrerin für herkunftssprachlichen Unterricht, Kommunales Integrationszentrum des Rhein-Erft-Kreises) unter der Moderation von Günther Bernd Ginzel (Publizist, langjähriger Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Juden und Christen bei Evangelischen Kirchentag, Mitgründer der Internationalen Friedensschule Köln-Widdersdorf).

Freier Eintritt!

Ein pdf des Flyers mit genauen Angaben finden Sie auf unserer Homepage zum angegebenen Termin.

Anmeldung zu Lesungen und Workshop unter: info@schauhoer-verlag.de

Vorträge und Podiums-Diskussion frei

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fachschule der Mittelstandes Raum 6

“Integranz” (ein Wortspiel aus Integration und Toleranz) und der Mosaik Verein Wertheim haben das Theater ” Blinklichter” aus St. Leon Rot eingeladen um das türkische Märchen ” die verliebte Wolke” in Wertheim, in der Aula alten Steige, am 14.11.14 um 15:50 Uhr, auf zu führen.

Die Pressemitteilung aus der Wertheimer Zeitung

 

 

 

 

 

Pressemitteilung  28.5.2014

 

 

Fünf Jahre Netzwerk Mehrsprachigkeit e.V.

 

Alles Gute zum Geburtstag! Happy Birthday! ¡Feliz Cumpleaños! Поздравляем с днём рождения!

 

 

Am 29. Mai feiert das Netzwerk Mehrsprachigkeit e.V. mit Sitz in Köln sein fünfjähriges Bestehen. Das überregionale Netzwerk ist ein Zusammenschluss von Verlegern, Wissenschaftlern, Pädagogen, Leseförderern, Buchhandlungen, Bibliothekaren, Institutionen, Übersetzern und Autoren. Im Mittelpunkt der Arbeit stehen die interdisziplinäre Verknüpfung und der Austausch zwischen Theorie und Praxis. Mehrsprachigkeit soll nicht als Problem, sondern als Chance verstanden werden. Ziel ist es außerdem, fremdsprachige Familien mit dem richtigen Lesematerial zu versorgen, denn oft ist ihnen nicht bewusst, welche Möglichkeiten sich ihnen bieten.

Das Netzwerk Mehrsprachigkeit ist regelmäßig auf den beiden Buchmessen in Frankfurt und Leipzig sowie auf der Bildungsmesse Didacta mit einem Gemeinschaftsstand vertreten.

Auch der „Aktionstag Mehrsprachigkeit“, bei dem die Mitglieder an unterschiedlichen Orten in Deutschland Lesungen und Vorträge halten, sowie auf einem Markt der Möglichkeiten Materialien präsentieren, hat sich etabliert. Rückblickend waren die Aktionstage in Köln, Wertheim, Nürnberg und Berlin sehr erfolgreich, denn der große Zuspruch von Fachkräften, Studenten, Lehrern, mehrsprachigen Eltern und Kindern zeigt, wie groß das Interesse am Thema Mehrsprachigkeit an.

Einen Überblick über die mehrsprachige Kinderliteratur fand in der Bildungsregion Paderborn und Hildesheim, in der Bibliothek am Luisenbad (Berlin) sowie in den Workshops Mehrsprachigkeit und Kinderliteratur“ der Universitäten Tübingen und Mannheim wie auch auf den Podiumsdiskussionen der SK Stiftung in Köln und auf der Frankfurter Buchmesse statt. Auch die seit vier Jahren gute Zusammenarbeit mit dem Verein für frühe Mehrsprachigkeit an Kitas und Schulen FMKS e.V.in Kiel für den Fachtag Mehrsprachigkeit auf der Bildungsmesse Didacta gestaltet sich kompetent und erfreulich. Es konnten in den vergangenen Jahren viele Fachkräfte mit dem Thema vertraut gemacht werden.

Inzwischen stieg die Anzahl der Mitglieder auf fast 50 Aktive, von denen auch einige aus dem nahen Ausland kommen.

Es ist schön, dass das Thema Mehrsprachigkeit immer weitere Kreise zieht und immer häufiger als Chance für die Gesellschaft wahrgenommen wird“, betont die 1. Vorsitzende, Patricia Hahne-­‐Wolter. „Es gibt natürlich auch weiterhin viel Raum für Arbeit an dem Thema.

Zu oft wird von Seiten der Politik noch polemisiert und verallgemeinert. Zu oft mündet ein Gespräch mit kommunalen Vertretern noch in der Aussage: „Die sollten erst mal Deutsch lernen“. Wir betonen immer wieder, dass uns Deutsch am Herzen liegt. Der Weg dorthin – das bestätigen Studien aus aller Welt – führt über einen kompetenten Umgang mit der Muttersprache – auch der Schriftsprache. Diesen Weg wollen wir mit unserer Arbeit unterstützen.“

Unsere nächsten Aktionen: Veranstaltung auf der Frankfurter Buchmesse aus Anlass des 5-jährigen Bestehens; Vortrag an der Akademie für Kinderliteratur im Herbst ; Aktionstag in Mannheim Anfang nächsten Jahres.

Für die Zukunft wünscht sich das Netzwerk Mehrsprachigkeit e.V., neue Mitglieder begrüßen zu können. Weitere Informationen, Formulare sowie eine Kurzvorstellung der Mitglieder sind auf der Homepage einsehbar.

 

Weitere Infos:

Netzwerk Mehrsprachigkeit e.V.

c/o Patricia Hahne-­‐Wolter (1. Vorsitzende)

Barbarastraße 27

50996 Köln

Tel: 02238/47 48 26

Fax: 02238/47 48 27

Ansprechpartnerin für die Presse:

Inés María Jiménez

Tel: 0231 483833

info@netzwerk-­‐mehrsprachigeit.de

www.netzwerk-­‐mehrsprachigkeit.

 

Deutscher Lesepreis: 249 Bewerbungen bei der Stiftung Lesen und der Commerzbank-Stiftung eingegangen

Frankfurt/Wertheim. Die Resonanz auf die Ausschreibung des Deutschen Lesepreises, der am 7. Oktober 2013 in Berlin zum ersten Mal verliehen wird, hat die Erwartungen der beiden Initiatoren, Stiftung Lesen und Commerzbank-Stiftung, weit übertroffen. Insgesamt 249 Bewerbungen wurden eingereicht, aus denen die Jury jetzt eine Shortlist mit 34 besonders herausragenden Projekten erstellt hat. In der Kategorie “Herausragendes kommunales Engagement”, gefördert von Fröbel (zwölf Nominierungen),

ist auch die Stadtbücherei Wertheim mit dabei, und zwar mit dem “Doppelten Lesespaß – Zweisprachige Vorlesestunden in Kindertageseinrichtungen”.

 

 

 

 

 


Die Nominierungen der einzelnen Projekte:

http://www.deutscher-lesepreis.de/aktuelles/

Kategorie “Herausragendes kommunales Engagement”, gefördert von Fröbel (zwölf Nominierungen)

“Doppelten Lesespaß – Zweisprachige Vorlesestunden in Kindertageseinrichtungen”

http://www.froebel-gruppe.de/froebel/projekte/der-deutsche-lesepreis-2013/

Doppelter Lesespaß“ heißt das neue, vom Pakt Zukunftder Region Heilbronn-Franken geförderte Projekt der Stadtbücherei Wertheim, das die Bildungsarbeit in Kindertageseinrichtungen unterstützt. Mit zweisprachigen Vorlesestunden soll gezielt die Sprachentwicklung von Kindern mit Migrationshintergrund gefördert werden. Die Kindertageseinrichtungen in Wertheim und Kreuzwertheim haben bei einer Befragung bereits großes Interesse angemeldet. Die maßgeblichen Sprachen sind italienisch, spanisch, russisch und türkisch.

Und so funktioniert der „doppelte Lesespaß“: Zwei Lesepaten kommen regelmäßig zu Vorlesestunden in die Einrichtung. Der eine liest in der Muttersprache vor, beispielsweise türkisch oder russisch, der andere auf Deutsch. Die Kinder erleben die identische Geschichte also in beiden Sprachen. Die Absprachen über Termin, Häufigkeit, Gruppengröße, Alter und den Lesestoff treffen die Kindergärten mit den Lesepaten direkt. Die Stadtbücherei stellt dafür eine große Auswahl an zweisprachigen Büchern zur Verfügung.

Hintergrund des Sprachförderprojekts ist die in den letzten Jahren gewachsene pädagogische Erkenntnis, wie wichtig bei Kindern mit Migrationshintergrund die Förderung der Muttersprache von klein auf ist. Die Muttersprache ist für jeden Menschen ein wichtiger Teil seiner Identität, und es spielt eine große Rolle, wie die deutschsprachige Kindertageseinrichtung auf die Erstsprache eines Kindes reagiert: Wird sie negiert („Hier sprechen wir Deutsch.“) oder ignoriert (sie ist nirgends zu hören und zu sehen), so ist es für das Kind, als wäre ein Teil seiner Identität ausgeklammert und unerwünscht. Solche Erfahrungen wirken sich negativ auf die Entwicklung des Kindes aus und hemmen das Erlernen von Deutsch als Zweitsprache.

Auch in zwei- und mehrsprachigen Bilderbüchern stehen Geschichte und Bilder im Zentrum. Fast beiläufig entdecken die Kinder neben dem deutschen Text noch eine weitere Sprache, vielleicht gar andere Schriftzeichen. Das Interesse für andere Sprachen wird angeregt, die Neugierde wird geweckt. Das Erleben verschiedener Sprachen löst wichtige Impulse für die Sprachförderung aus.

Für Kinder, die in anderssprachigen Familien aufwachsen, ist es wichtig, dass sie in der Kindertageseinrichtung ihre Muttersprache in zweisprachigen Bilderbüchern wiederfinden. Das vermittelt Vertrauen und Wertschätzung und erleichtert den Kindern, sich für die Zweitsprache Deutsch zu öffnen. So können sie auch den Anspruch entwickeln, den Inhalt einer Geschichte, die sie nur in Deutsch hören, genau zu verstehen und sich nicht mehr mit oberflächlichem Erahnen zufrieden zu geben. Diese Grundhaltung des genauen verstehen Wollens ist für den späteren Schulerfolg enorm wichtig.

Die Stadtbücherei sucht deutsch- und fremdsprachige Vorleser, die die zweisprachigen Lesestunden gemeinsam gestalten. Wer Interesse am Projekt „Doppelter Lesespaß“ hat, kann mit der Stadtbücherei Wertheim Kontakt aufnehmen. Ansprechpartnerinnen sind Martina Ducqué und die Leiterin Michaela Stock, Telefon 09342/301-566, E-Mail: lesefluss@stadtbuecherei-wertheim.de.

Eröffnungsfeier:

Die Wertheimer Projektreihe »Integranz« beginnt mit einem Zeichen für Toleranz und Integration

Wertheim Als die bunten Ballons in den Himmel über dem Wertheimer Rathaus gestiegen waren, war Alex Schuck froh. »Jetzt hoffen wir mal, dass uns auch all die Menschen, die eine Postkarte finden, die Karte wieder zurückschicken«, sagte Schuck von der präventiven Jugendhilfe des Diakonischen Werks.

Er betreut die Projektreihe »Integranz«, ein Wortspiel aus »Toleranz« und »Integration«, die am Dienstagabend mit einer Feier im Arkadensaal begonnen hat.
Courage-AG führt durch den Abend
Ein symbolisches Zeichen waren die Luftballons, mit dem die Wertheimer auf mehr Toleranz in der Gesellschaft hinweisen wollten. Die bunten Karten, die an den Ballons baumelten, haben Mitglieder der Courage-AG der Comenius-Realschule in Bestenheid mit Fingerfarben gestaltet. »Rassismus stinkt«, »Love« und »Peace« war auf den farbenfrohen Karten zu lesen. Die Schülerinnen der Courage-AG führten an dem Eröffnungsabend durch ein Programm, das ganz im Zeichen von Integration und Toleranz stand.
Die drei türkischen Mädchen Rumeysa, Halenur und Aysun begrüßten die Gäste im Arkadensaal mit einem Lied aus der Türkei, bevor die Gruppe »Funktastic« auf dem Steinboden das Tanzbein schwang. Die 15-jährige Jenny Aroca Roman begeisterte die Zuhörer mit dem Lied »Manos al aire« von Nelly Furtado. Die Schülerin der Grund- und Werkrealschule »Alte Steige« ist schmal und zierlich, doch mit ihrer gewaltigen und kräftigen Stimme überraschte sie das Publikum. »Ganz toll hast Du gesungen, fantastisch«, lobte auch ihre Schulleiterin Alice Jäger. Jennys Vater kommt aus Spanien und manchmal sprechen sie zu Hause auch spanisch: »Eigentlich singe ich aber mehr auf Spanisch, als dass ich es spreche«, sagte Jenny.
Sie singt in der Band »WISPR«, einem Integrationsprojekt, das die Wertheimer Jugendarbeit ins Leben gerufen hat. Am kommenden Samstag hat die Band ihren ersten Auftritt im Rahmen der Integranz-Reihe. »Diese Aktionstage sollen dazu beitragen, das Thema Integration in die Mitte unserer Gesellschaft grundsätzlich und in diesen Tagen speziell in das Wertheimer Umfeld zu holen«, sagte Bernd Hartmannsgruber, der als Vertreter des Oberbürgermeisters gekommen war.
Neben der Veranstaltungsreihe »Integranz«, die von mehreren Wertheimer Kooperationspartnern geplant und organisiert wurde, ist bis Donnerstag, 9. Juni, im Arkadensaal auch die Wanderausstellung »anders? – cool!« des Jugendmigrationsdienstes zu sehen.
Fokus auf jugendliche Migranten
»Wertheim ist der 32. Ort in Deutschland, an dem die Ausstellung gezeigt wird«, berichtete Irena Frank vom Jugendmigrationsdienst des Roten Kreuzes in Tauberbischofsheim. So solle der Fokus auf die Lebenssituation von Jugendlichen mit Migrationshintergrund gerichtet werden. »Denn die Besonderheit bei Kindern und Jugendlichen ist, dass es immer die Eltern oder andere Erwachsene sind, die bestimmen, wohin die Kinder ziehen müssen.«
Wie die Kinder und Jugendlichen mit ihrer speziellen Situation umgehen und welche Probleme sich ergeben, das solle die Ausstellung zeigen.
Melisa, Vanessa, Jennifer und Claire engagieren sich in der Courage-AG der Comenius-Realschule in Bestenheid, sie kämpfen gegen Rassismus an ihrer Schule. Und deshalb war es ihnen wichtig, beim Projekt »Integranz« mitzumachen: »Integration ist uns wichtig, niemand soll ausgegrenzt sein«, sagte Jennifer Balke, die in die neunte Klasse geht. »Wir haben schon viele Unterschriften gegen Rassismus gesammelt«, berichteten die Mädchen, die am Ende auch die Luftballons mit Gas füllten.

 

Susanne Gilg schreib für die Wertheimer Zeitung

 

Weitere Informationen zur Ausstellung

http://www.wertheim24.org/news.php?nid=169

Multikulturelles Theaterprojekt “Hummel Hummel”

Goethe-InstitutDie Hamburger Legende zum Wasserträger – szenisch dargeboten und in sechs verschiedenen Sprachen von Kindern gelesen. 2009 haben Grundschulkinder aus Hamburg, München und Berlin gemeinsam eine szenische Lesung zum Buch „Der Hamburger Wasserträger“ von Michael Moellers aufgeführt. Die Kinder zeigten dabei, wie Verständigung über ihre Stadtgrenzen hinaus und interkulturell über sechs verschiedene Sprachen – unterstützt durch Gestik, Mimik, Bilder und pantomimisches Geschick – funktionieren kann.

Die Idee zu diesem multikulturellen Theaterprojekt für Kinder basiert auf dem zweisprachigen Buch „Der Hamburger Wasserträger“ von Michael Moellers. Das Buch ist sprachlich so einfach gehalten und reich bebildert, dass diese typische Stadtgeschichte lebendig wird.

Da das Buch schon auf Deutsch und Englisch vorlag, bot es sich an, es auch in weitere Sprachen zu übersetzen. Nach und nach wuchs so die Idee, Kinder aus verschiedenen Städten und Kulturen für ein gemeinsames Theaterprojekt zu begeistern. Lehrer, Eltern, Künstler und vor allem Kinder aus drei Metropolen begannen, die Details jeweils vor Ort zu planen. Eine Generalprobe, bei der alles noch einmal aufeinander abgestimmt werden konnte, gab es nicht. Die Kinder lernten sich erst vor Ort bei der Aufführung kennen. Aber Kinder sind spontan, und so konnte alles toll gelingen!

Die Planung im Einzelnen

Der Grundgedanke war, Kinder als Botschafter der Mehrsprachigkeit auftreten zu lassen. Nicht nur über sprachliche, auch über räumliche und Alters-Grenzen hinweg fand hier Verständigung statt. So hat die Hujdur Media aus Hamburg zusammen mit der SpielScheune Neu Allermöhe eine komplexe Struktur entwickelt, auf deren Basis die Kooperation zwischen Kindern aus drei Städten in Deutschland und vielen Kulturen entstand. Sie lieferte die Ideen und Materialien, die hier im Einzelnen vorgestellt werden. Diese Ideen dienen als Anregung zum Nachmachen, Weiterentwickeln und Neu-Ausdenken.

Bevor es an Detailüberlegungen geht, die zum Beispiel die pantomimische Umsetzung, die Kostümierung oder das Bühnenbild betreffen, muss ein exakter Ablaufplan erstellt werden, der alle Zielgruppen, Kinder, Schulen, Eltern und andere Akteure mit bedenkt. Dieser Ablaufplan muss ständig an die aktuellen Bedürfnisse angepasst werden.

Übersetzung der Texte

Am Anfang aller Planung steht die Koordination der Übersetzung. Das Buch, das bereits in Deutsch und Englisch vorliegt, muss also in weitere Sprachen übersetzt werden. Organisiert und koordiniert wurde die Übersetzung in diesem Projekt von Jusuf Hujdur von der Hujdur Media, natürlich mit Genehmigung des Autors Michael Moellers. Und so entstanden für die große szenische Lesung Textpassagen zum Wasserträger auf bosnisch, französisch, spanisch und türkisch. Die Auswahl dieser Sprachen hing damit zusammen, welche Kinder für die Leseaufgabe zur Verfügung standen. Natürlich müssen die Sprachen, in die das jeweilige Werk übersetzt werden soll, je nach Bedarf und sprachlichen Möglichkeiten ausgewählt werden. Am Ende sollen die übersetzten Texte dann von Kindern in ihrer jeweiligen Muttersprache vorgelesen werden. In einem genauen Plan muss dafür festgelegt werden:

  • Welches Kind übernimmt welche Passage?
  • Welche Passagen werden in welcher Sprache gelesen?
  • Wie erfolgt die Auswahl und Einteilung der Passagen?

Details zum Ablaufplan (PDF, 38 KB)

Szenische Umsetzung in Pantomime

Für die szenische Umsetzung, die pantomimisch und ganz ohne Sprache passieren soll, muss Folgendes genau überlegt werden:

Wie kann Handlung ohne Sprache verständlich gemacht werden?

Unter Umständen kann es hilfreich sein, einen Schauspieler oder Theaterpädagogen hinzu zu ziehen, der den Kindern klare Anweisungen gibt, wie man die jeweilige Szene pantomimisch umsetzt. Für einen reibungslosen Ablauf bei der Aufführung müssen die Kinder genug Zeit zum Proben haben. Zudem sind genaue Ablaufpläne erforderlich, die Seitenzahlen und Einsätze festlegen. Außerdem müssen folgende Schritte bei der Inszenierung beachtet werden:

  • Welche Rollen werden besetzt?
  • Welche Handlungen werden wie umgesetzt?
  • Wie ist die genaue Szeneneinteilung?
  • Wann haben die Pantomimen-Darsteller ihren Einsatz?

Kostüme

Für die Herstellung von Kostümen und Requisiten finden sich im Buch gute Anregungen. In diesem Projekt wurden die Kostüme vom Hamburger Modedesigner Till Hagemann gefertigt. Es ist aber natürlich auch möglich, die Kostüme von den Kindern und Eltern selbst herstellen zu lassen. Manchmal bietet sich auch in Schulen die Möglichkeit, den Fachunterricht zu solchen Zwecken zu nutzen.

Bühnenbild und Requisiten

Zum Anfertigen der Bühnenbilder sollten Vorlagenskizzen erstellt werden, damit die fertigen Bühnenbilder schließlich so aussagekräftig werden, dass man versteht, worum es in der jeweiligen Szene geht, denn nicht alle Teile der Handlungen der pantomimischen Darsteller sind gleich leicht verständlich. Bühnenbilder können im Kunst-oder Werkunterricht gemalt und gebaut werden. Sie sind dann groß und vermutlich schwer, so dass auch beim Transport zum Aufführungsort genau geplant werden muss. Wenn die Platten in den vorgeschlagenen Maßen angefertigt werden und die Aufführung nicht direkt an der Schule stattfindet, ist ein vermutlich ein Lieferwagen erforderlich.
Download Symbol Bühnenbilder (PDF, 4,3 MB)

Ein genauer Ablauf für die Präsentation während der Aufführung muss erstellt werden, um festzulegen:

  • Welches Kind / welche Lernergruppe ist für welches Bühnenbild verantwortlich?
  • Wann müssen die Bühnenbilder auf die Bühne getragen oder ausgetauscht werden?

Bei den Requisiten handelt es sich vor allem um Gebrauchsgegenstände (Tische, Stühle, Geschirr), daher sind sie leicht zu beschaffen und können zum Beispiel von den Eltern mitgebracht werden. Außerdem muss im Ablaufplan vermerkt werden:

  • Welche Requisiten sind für die einzelnen Szenen notwendig und wann müssen sie auf die Bühne gebracht werden?
  • Wer übernimmt diese Aufgabe?

Musikalische Begleitung

Eine musikalische Begleitung rundet das szenische Spiel ab. Besonders schön ist es, wenn es gelingt, alle beteiligten Kinder und auch die Zuschauer zum gemeinsamen Singen zu animieren. Beim Hamburger-Wasserträger-Projekt wurde eigens ein schon bekanntes Lied durch passenden Text erweitert. Alle Kinder bekamen die Noten und Texte vorab zugeschickt, um ein bisschen damit zu üben. Um die Inszenierung musikalisch zu begleiten, engagiert man idealerweise einen Gitarrenspieler oder Pianisten. Preiswerter ist es natürlich, wenn eine Schüler-Musikgruppe oder ein musikalischer Vater oder eine Mutter diese Aufgabe übernimmt. In unserer Aufführung begleitete Reinhold Merta den gesamten Auftritt mit der Gitarre.

Musikalische Begleitung kann eingesetzt werden:

  • Zur Einstimmung
  • Zwischendurch
  • Als Ausklang

Für die Aufführung in der Akademie der Künste in Berlin wurden für das „Plitsch-Platsch-Lied“, das seit 2006 besteht, neue Strophen geschrieben; natürlich ist es auch möglich, gemeinsam mit den Kindern eine neue Melodie oder einen neuen Text zu erarbeiten. Außerdem kann auch das Publikum mit einbezogen werden und zum Beispiel spontan dazu aufgefordert werden, mitzusingen.
Download Symbol ♫ Plitsch-Platsch-Lied (PDF, 1,4 MB)

Aufführung

Nach vielen Tagen des Vorbereitens, Organisieren und Gestaltens wird das Theaterstück schließlich inszeniert. Damit alles klappt wie geplant, müssen szenisches Lesen, Pantomime und der Wechsel der Bühnenbilder gut aufeinander abgestimmt werden. Denn zum vorgelesenen Text muss zu passendem Zeitpunkt das richtige Bühnenbild erscheinen und die entsprechende pantomimische Darstellung erfolgen.

Dokumentation

Natürlich kann die Aufführung filmisch oder mit Fotos festgehalten und publiziert werden. Allerdings müssen dafür rechtliche Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden. So darf zum Beispiel kein Kind ohne schriftliche Einverständniserklärung der Eltern im Internet abgebildet werden. Man muss also bedenken, dass rechtzeitig Einverständniserklärungen eingeholt werden müssen. Oft liegen in Schulen dafür fertige Formblätter vor.

Organisatorisches

Haben Sie wirklich an alles gedacht? Anbei eine kleine Checkliste, um Ihnen die Organisation ein wenig zu erleichtern:

Checkliste

  1. Betreuung der Kinder: Genügend Betreuer vor Ort oder müssen Eltern mit „einspringen“?
  2. Verpflegung der Kinder: vor Ort oder selbst zu organisieren?
  3. Versicherung: zusätzliche Versicherungen (z.B. Haftpflichtversicherung) nötig?
  4. Werbung: Flyer, Plakate, Mailinglisten?
  5. Einladungen an Eltern verschicken: eventuell auch mehrsprachig
  6. Einverständniserklärung
  7. Technik vor Ort: Lautsprecher zum Vorlesen, CD-Player für Musik oder ähnliches
  8. Sitzgelegenheiten: für Kinder, wartende Eltern, Zuschauer etc.
  9. Ersatzleser und -spieler, falls Kinder krank werden

Aufführung in Berlin

Für die große Aufführung in Berlin kamen Kinder aus München, Berlin und Hamburg zusammen. Jede der Gruppen hatte im Vorfeld einen eigenen Aufgabenbereich bekommen. So waren die Kinder aus München per Bahn nach Berlin gereist, um dort in ihrer Muttersprache (deutsch, bosnisch, englisch, französisch, spanisch oder türkisch) den „Hamburger Wasserträger“ szenisch vorzulesen. Die Organisation für diese Gruppe übernahmen Prof. Claudia Ueffing, damals Fachberaterin für interkulturelle Pädagogik der Stadt München“, und Andreas Wünnenberg, Leiter einer Kindertageseinrichtung in München und freiberuflich Schauspieler. Es war nicht leicht, Kinder zu finden, die mitfahren durften und wollten und die auch ganz gut lesen konnten. Es musste vor allem ein genauer Plan angefertigt werden, welcher Textteil in welcher Sprache vorgelesen wird. Für das überwiegend deutschsprachige Publikum wurde beschlossen, den Anfangs- und Schlusstext auf Deutsch vorzulesen.

Für die pantomimische Umsetzung waren Schüler aus Hamburg zuständig. Sie kannten die Geschichte bereits und übten in einem zweiwöchigen Workshop mit ihrer Betreuerin Ulla Moser von der SpielScheune Neu Allermöhe und mit der Erzieherin Martina Ducqué aus Wertheim, damit sie den Inhalt des Stücks auch überzeugend pantomimisch darstellen konnten. Für die Inszenierung waren jedoch auch Kostüme nötig. Dazu nutzen die Kinder die Bilder im Buch als Anregungen. Ein professioneller Schneider, der Hamburger Modedesigner Till Hagemann, fertigte sie dann in seinem Atelier.

Damit die Zuschauer alles gut verstehen konnten, musste das Bühnenbild sorgfältig gestaltet werden. Das wurde von Kindern aus insgesamt drei Berliner Schulen übernommen, die mit Hilfe des Berliner Senats gefunden wurden. Dafür erhielten sie von einer Zeichnerin aus Hamburg Entwürfe, die sie dann im Werkunterricht auf große Spanplatten malten. Diese Bilder waren so groß, dass sie für die große Aufführung in der Freien Akademie der Künste mit einem großen Lieferwagen transportiert werden mussten – in ein normales Auto passten sie nicht.

Der große Tag der Aufführung war für alle Teilnehmer aufregend, die Kinder aus München und Hamburg reisten per Kleinbus mit Begleitung an, die Berliner Kinder mussten dafür sorgen, dass alles heil transportiert wurde. Spannend war es auch deshalb, weil es zuvor – wegen der großen räumlichen Entfernung – keine gemeinsame Probe gab. Die Geschichte des „Hamburger Wasserträgers“ wurde vorgelesen, pantomimisch, musikalisch und mit Bildelementen unterstützt. Die Kinder lieferten Großartiges und zeigten, wie spontan sie waren. Denn niemand hatte zuvor bedacht, wie unterschiedlich das Lesetempo der Kinder sein kann. Darauf mussten die Pantomimen-Darsteller spontan reagieren – an manchen Stellen sorgte das für große Erheiterung.

Dank der Bilder konnte man auch die fremdsprachigen Textstellen ganz gut verstehen! Und wenn Sprachenlernen so viel Spaß macht, dann lohnt sich auch der ganze Aufwand. Ein mehrsprachiges Projekt, das Kinder, Organisatoren und Zuschauer gleichermaßen motivierte.

Quelle :http://www.goethe.de/lhr/mat/ffl/fms/tpr/de6553170.htm

Weitere Informationen:  http://www.yasni.de/ext.php?url=http%3A%2F%2Fwww.goethe.de%2Fges%2Fspa%2Fprj%2Fsog%2Ffms%2Fdit%2Ftdw%2Fde6518671.htm&name=Jusuf+Hujdur&cat=book&showads=1

Mehr:

http://www.goethe.de/lhr/mat/ffl/fms/deindex.htm

Autor und Buch© Goethe-Institut
Michael Moellers, Jahrgang 1967, absolvierte seine kaufmännische Lehre und arbeitete dann als Gästeführer in Hamburg, auf Malta und in der Bretagne. Seine erste Publikation war das Comicbuch „Die Spielchen des Olymp“, ein Beitrag zur Bewerbung Hamburgs als Austragungsstätte für die Olympischen Spiele 2012.

Mehr:

http://www.goethe.de/lhr/mat/ffl/fms/tpr/de6553189.htm

Aufführung in Berlin© Goethe-Institut
Die Idee zu diesem multikulturellen Theaterprojekt für Kinder basiert auf dem zweisprachigen Buch „Der Hamburger Wasserträger“. Das Buch ist sprachlich so einfach gehalten und reich bebildert, dass diese typische Stadtgeschichte lebendig wird. Mit Bildern aus der szenischen Umsetzung in Berlin.

Anschauungsmaterial zum Theaterprojekt© Goethe-Institut
Leseprobe, Textausschnitte des Theaterstücks, Musiknoten sowie den Ablaufplan des Projekts in Hamburg zum Herunterladen.

Mehr:

http://www.goethe.de/lhr/mat/ffl/fms/tpr/de6556486.htm

(Quelle: Goethe Institut)

Ziele frühen Fremdsprachenunterrichts

1. Der frühe Fremdsprachenunterricht soll dem Kind Anfangsgründe einer Fremdsprache und ihres kommunikativen Gebrauchs vermitteln.

2. Der frühe Fremdsprachenunterricht soll dem Kind eine zusätzliche Chance bieten, andere Sichtweisen von Welt kennen zu lernen, sich für fremde Kulturen zu öffnen und sich in der Welt zu orientieren.

3. Im frühen Fremdsprachenunterricht soll das Kind eine andere Kultur und die damit verbundenen Sozialisationsfaktoren erfahren. Dadurch kann dem Kind auch seine eigene Sozialisation bewusst gemacht werden. Der Fremdsprachenunterricht gewinnt durch den Blick auf das Eigene und das Fremde eine interkulturelle Dimension.

4. Der frühe Fremdsprachenunterricht soll einen wichtigen Beitrag zur Gesamtentwicklung des Kindes leisten und dadurch seine emotionalen, kreativen, sozialen, kognitiven und sprachlichen Fähigkeiten gleichermaßen fördern.

5. Der frühe Fremdsprachenunterricht soll Interesse an Sprachen wecken und Freude an ihrem Lernen entwickeln.

6. Im frühen Fremdsprachenuntericht soll das Kind Sprache als Kommunikationsmittel erleben und verwenden. Kommunikation vollzieht sich im Rahmen bestimmter Konventionen. Das Kind soll entsprechend diesen Konventionen handeln können, so dass eine Verständigung gelingt. Damit sie gelingt, ist ein Mindestmaß an Korrektheit notwendig.

7. Der frühe Fremdsprachenunterricht soll das Kind motivieren, sich auch in einer anderen als der eigenen Sprache zu verständigen. Durch die Begegnung mit einer fremden Sprache kann dem Kind auch seine Muttersprache bewusster gemacht werden.

8. Durch den frühen Fremdsprachenunterricht soll das Kind Lerntechniken erfahren, die ihm helfen, auch zunehmend selbstständig zu arbeiten.

Inhalte frühen Fremdsprachenlernens

Die Inhalte sollen den Interessen des Kindes entsprechen und sie erweitern, seine Gefühle ansprechen, sein Engagement, seine Fantasie und Kreativität fördern und ihm Spaß machen.

1. Durch den Fremdsprachenunterricht wird das in der Muttersprache aufgebaute Weltbild des Kindes erweitert, es wird differenziert und problematisiert. Damit folgt der frühe Fremdsprachenunterricht vornehmlich einer semantischen und pragmatischen Progression; die morpho-syntaktische tritt in den Hintergrund.

2. Die Inhalte für frühen Fremdsprachenunterricht kommen aus der Kinderkultur, der Sachkunde und der Landeskunde; sie sind abhängig von den Interessensbereichen des Kindes.

Der Vorrang von Sachen gegenüber der Sprache wird durch fächerübergreifenden Unterricht verstärkt.

3. In sach- und partnerbezogener Kommunikation soll das Kind Sprache erleben, verstehen und gebrauchen. Hören und Sprechen sind vorrangig, Lesen und Schreiben haben dabei unterstützende Funktion, aber auch ihren Eigenwert.

4. Bei der Sprachverwendung haben paraverbale Kommunikationsmittel wie Aussprache, Sprachrhythmus und Intonation und nonverbale wie die der Körpersprache einen festen Platz.

5. Der Umgang mit Sprache hilft dem Kind implizit, die Gesetzmäßigkeit der Sprache zu erfahren. Damit wird ein Fundament für zukünftige Sprachreflexion gelegt.

6. Der Umgang mit Sprache im Unterricht dient auch dazu, neue Lerntechniken zu erwerben, sie und bereits bekannte zu erproben und weiterzuentwickeln.

Methoden frühen Fremdsprachenunterrichts

Bei der Auswahl der Methoden sind die folgenden Kriterien zu berücksichtigen:

1. Methoden sollen eine Atmosphäre schaffen, in der Kinder sich wohl fühlen. Sie sollen Kinder herausfordern, Lernlust fördern und damit Lernzuwachs ermöglichen.

2. Methoden sollen das Kind in seiner Ganzheit ansprechen. Sie sollen dazu verhelfen, dass das Kind mit allen Sinnen lernt.

3. Bei der Auswahl der Methoden sollen die Bedürfnisse des Kindes berücksichtigt werden. Methodenvielfalt und häufiger Methodenwechsel sollen daher den Unterricht kennzeichnen.

4. Methoden sollen Kinder zum Handeln bringen. Das Spiel bietet dazu die besten Möglichkeiten.

5. Auch Narration macht Kinder zu handelnden Personen. Sie erfahren dabei zugleich, dass das Lernen einer fremden Sprache mehr mit der eigenen Person und ihrer Biographie zu tun hat und weniger mit dem von einer Sprachdidaktik vorgegebenen Weg.

6. Methoden sollen zunehmend dazu führen, Lehrerzentriertheit abzubauen und die Kinder zur Mitgestaltung des Unterrichts und zur Kommunikation untereinander zu motivieren. Dadurch wird es möglich, dass Lehrerinnen und Lehrer mehr zu Beobachtern, Beratern und Mitspielern werden.

7. Methoden sollen zunehmend zu selbstständigem Lernen führen und Binnendifferenzierung ermöglichen.

8. Methoden sollen schließlich alle möglichen Arbeitsformen, wie Einzel-, Partner- und Gruppenarbeit berücksichtigen.

Die Transparenz des Unterrichts und eine angstfreie Atmosphäre sollen dem Bedürfnis des Kindes nach Information über den eigenen Lernfortschritt entgegenkommen.

Evaluation im frühen Fremdsprachenunterricht

Im frühen Fremdsprachenunterricht soll der Lernfortschritt des Kindes eher festgestellt als bewertet werden. Grundsätzlich gilt, dass Verfahren zur Feststellung der Lernfortschritte den vorangegangenen Lernschritten entsprechen müssen. Evaluationsverfahren im frühen Fremdsprachenunterricht beziehen sich aber nicht nur auf die Lernfortschritte des Kindes, sondern auch auf den Unterricht selbst.

1. Die Verfahren zur Feststellung der Lernfortschritte im frühen Fremdsprachenunterricht sollen die ganzheitliche Entwicklung des Kindes berücksichtigen, also sein Ausdrucksvermögen, seine Kreativität, sein soziales und sprachliches Handeln. Formale sprachliche Aspekte stehen dabei nicht im Vordergrund. Die Fortschritte in der Leistung sollen für alle Beteiligten erkennbar sein:

Die Lehrerin, der Lehrer

  • beobachten die Entwicklung der emotionalen, kreativen, sozialen, kognitiven und sprachlichen Fähigkeiten des Kindes,
  • reflektieren ihre eigene Arbeit,
  • können dadurch Lernziele differenzierter formulieren,
  • können ihr weiteres Vorgehen entsprechend planen, den Unterricht binnendifferenzierend gestalten und auf diese Weise das Kind individuell fördern.

Das Kind

  • lernt seine Entwicklung kennen und daraus neue Motivation schöpfen,
  • lernt seine eigene und die Leistung der anderen einschätzen,
  • lernt seine eigene Leistung als Hilfe für andere einsetzen.

Die Eltern sollen regelmäßig die Möglichkeit erhalten,

  • sich über die Entwicklung ihres Kindes zu informieren,
  • aktiv am Schulleben teilzunehmen.

2. Es ist angeraten, mit Noten zurückhaltend umzugehen und, wenn möglich, in den ersten Lernjahren auf eine Leistungsbewertung zu verzichten.

Eine Bewertung, die sich ausschließlich auf messbare Leistung ausrichtet, ist nicht wünschenswert, da sie nicht dem pädagogischen Auftrag der Primarstufe entspricht. Demgegenüber ist eine verbale Beurteilung vorzuziehen, die die individuelle Entwicklung des Kindes berücksichtigt: Fehler gelten nicht als defizitäre Leistungen, sondern als notwendige Schritte des Lernprozesses.

3. Lehrerinnen und Lehrer können ihren Fremdsprachenunterricht auch als Forschungsfeld verstehen. Ergebnisse daraus können einen Beitrag zur Revision des Curriculums leisten.

Kompetenzen

Im Achteck der curricularen Wechselbeziehungen spielen die Lehrerin, der Lehrer eine entscheidende Rolle.

Obwohl die organisatorischen Voraussetzungen und Rahmenbedingungen im frühen Fremdsprachenunterricht außerordentlich verschieden sind, ergibt sich die Notwendigkeit folgender Kompetenzen für eine Fremdsprachenlehrerin, einen Fremdsprachenlehrer, unabhängig vom Einsatz als Klassenlehrerin oder Fachlehrerin oder -lehrer.

1. Die Fremdsprachenlehrerin, der Fremdsprachenlehrer sollen praktisch wie theoretisch mit der Fremdsprache umgehen können. Sie sollen in der Fremdsprache so gut handeln können, dass der gesamte Unterricht fremdsprachlich gestaltet werden kann.

Ihr sprachliches Ausdrucksvermögen soll phonetisch, sprachrhythmisch und intonatorisch vorbildlich sein.

Sie sollen über ein Repertoire von Unterrichtssprache verfügen, die Ausdruck partnerschaftlichen Lernens ist und zu interkulturellem, spielerischem und narrativem Lernen ermuntert (vgl. A,4). Das Repertoire umfasst auch außer- und parasprachliche Elemente wie Gestik und Mimik, Musizieren und Tanzen sowie spielerische und schauspielerische Fähigkeiten.

2. Die Fremdsprachenlehrerin, der Fremdsprachenlehrer sollen Erkenntnisse der Linguistik und Kulturwissenschaften mit Blick auf die Unterrichtspraxis reflektieren können.

3. Die Fremdsprachenlehrerin, der Fremdsprachenlehrer sollen Erkenntnisse der allgemeinen Fremdsprachendidaktik, der Primarschulpädagogik und anderer Referenzwissenschaften mit Blick auf die Bedingungen des frühen Fremdsprachenunterrichts anwenden können.

4. Die Fremdsprachenlehrerin, der Fremdsprachenlehrer sollen Lehr- und Lernmaterial bis hin zu Computerprogrammen auf ihre unterrichtliche Brauchbarkeit analysieren können.

5. Die Fremdsprachenlehrerin, der Fremdsprachenlehrer sollen landeskundliche Texte und Materialien sowie die der zielsprachigen Kinderkultur, recherchieren, analysieren und für die Vermittlung im Fremdsprachenunterricht didaktisieren können.

6. Die Ausbildung von Fremdsprachenlehrerinnen und Fremdsprachenlehrern für die Primarschule muss im engen Wechselspiel mit der Praxis geschehen.

Die Studierenden sollen durch Unterrichtsbeobachtung und eigenen Unterricht früh schon Theorie und Praxis miteinander verbinden können.

Die Studieninhalte sollen nicht nur in traditionellen Veranstaltungen, wie Vorlesungen und Seminaren, gelehrt und theoretisch präsentiert, sie sollen auch im Studium praktisch erfahren und erlebt werden.

7. Nicht nur der unterschiedliche Ausbildungsstand von Fremdsprachenlehrerinnen und Fremdsprachenlehrern in der Primarstufe der einzelnen Länder, das Defizit an spezifischen Studiengängen und Mängel in den bestehenden Studiengängen erfordert eine kontinuierliche Fort- und Weiterbildung, sie ist prinzipiell im Lehrerberuf notwendig, weil er ständig auf Veränderungen im curricularen Achteck reagieren muss.

8. Von den Fremdsprachenlehrerinnen und Fremdsprachenlehrern wird erwartet, dass sie bereit sind, sich selbstständig fort- und weiterzubilden.

9. Die zuständigen Behörden müssen für ein vielfältiges Angebot an Fort- und Weiterbildung Sorge tragen und ermöglichen, das Angebot wahrzunehmen und für den Unterricht zu nutzen.

(Quelle: Goethe Institut ” Nürnberger Empfehlungen zum Frühen Fremdsprachenlernen)

 

Pressebericht Fränkische Nachrichten 22.02.2010

Aktionstag: Am 26. Februar veranstaltet das “Netzwerk Mehrsprachigkeit” einen Aktionstag an Kindergärten und Schulen sowie einen “Marktplatz der Möglichkeiten”

Sprachen ändern das eigene Denken

 

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Wertheim. Eine oder vielleicht sogar mehrere fremde Sprachen zu sprechen, gilt einerseits als Schlüssel zum gegenseitigen Verständnis und Respekt. Andererseits ist gut die Hälfte aller weltweit gesprochenen Sprachen vom Aussterben bedroht.

Vor diesem Hintergrund hat die Unesco, die Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur, zu Beginn des Jahrtausends den “Internationalen Tag der Muttersprache” ausgerufen. An diesen lehnt sich der “Aktionstag Mehrsprachigkeit” an, der am Freitag, 26. Februar, in Wertheim stattfindet. Die Schirmherrschaft hat OB Stefan Mikulicz übernommen. Veranstalter ist das “Netzwerk Mehrsprachigkeit”, das sich bundesweit im vergangenen Jahr gegründet hat.

Überaus große Resonanz

Die Organisatoren haben den Kindergärten und Schulen ein vielfältiges Angebot unterbreitet, das sehr gut angenommen wird. “Wir sind ausgebucht”, freut sich Martina Ducque über die unerwartet große Resonanz. Sie ist Fachkraft für frühkindliche Sprachförderung und interkulturelle Kompetenz und in Wertheim zuständig für die Sprachförderung in den Kindergärten. Ducqué ist Mitglied im “Netzwerk Mehrsprachigkeit” und zeichnet, gemeinsam mit Dirk Jüttner, federführend für den “Aktionstag Mehrsprachigkeit” in der Großen Kreisstadt verantwortlich.

“Wer eine andere Sprache kann, lernt zugleich, was in ihr nicht oder nur ganz anders geht. Dabei begegnen ihm seine eigenen Grenzen. Indem er sie wahrnimmt, überschreitet er sie auch, aber im gastlichen Sinn”, zitiert sie den Schweizer Schriftsteller Adolf Muschg. Globalisierung und Migration seien die häufigsten Gründe, weshalb Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammenlebten.

Positives Potenzial aufnehmen

“Diese vorhandene Sprachenvielfalt muss aufgenommen und als positives Potenzial begriffen werden, sonst verharrt eine Gesellschaft in rückwärts gewandten Ritualen. Der Umgang mit dieser Situation muss allerdings auch eingeübt werden”, so Ducqué. Auch aus diesem Grund habe sich Mitte vergangenen Jahres der Verein “Netzwerk Mehrsprachigkeit” gegründet.

Dessen Mitglieder sind Verlage, Institutionen und Personen, die sich professionell mit Mehrsprachigkeit und Fremdsprachenerwerb befassen. Ziel ist die Förderung von sprachlicher und interkultureller Bildung. Dies soll am “Aktionstag Mehrsprachigkeit” beispielhaft in Wertheim geschehen. Kindergärten, Schulen und Büchereien wurde ein vielfältiges Angebot unterbreitet, das mehrsprachige Lesungen und Vorträge von Experten enthält.

Aus der Vielfalt wählen

“Daraus konnte sich jeder das für ihn Passende aussuchen und das Netzwerk-Mitglied, das dieses Angebot unterbreitet hat, kommt dann am 26. Februar in die jeweilige Einrichtung”, erläutert die Organisatorin. Aus ihrem beruflichen Wirken weiß sie, dass solche Lesungen für manche Kinder der erste Kontakt mit ihrer Herkunftssprache sind. Eltern und Kindern sollen Denkanstöße gegeben, Pädagogen Möglichkeiten zum Umgang mit mehrsprachigen Lernmaterialien unterbreitet werden. Ist der Vormittag mehr den großen und kleinen Fachleuten gewidmet, so kommt die breite Öffentlichkeit am Nachmittag beim “Marktplatz der Möglichkeiten” im Arkadensaal zum Zuge. Dabei wird dann auch die “Medienkiste Mehrsprachigkeit” vorgestellt, ein Sortiment zwei- und mehrsprachiger Kinderbücher, das beim Verein ausgeliehen werden kann. ek

Fränkische Nachrichten
22. Februar 201o

Eigene Anmerkung:

Nähere Informationen finden Sie unter:
http://www.verein-mehrsprachigkeit.de/wertheim_aktionstag_mehrsprachigkeit/

“Aktionstag Mehrsprachigkeit”:

(foto Quelle privat)

 

Arkadensaal in einen “Marktplatz der Möglichkeiten” verwandelt / Bedeutung von Sprache(n) herausgestellt
Förderung von Intelligenz und Identität

Wertheim. Sie hatte schon etwas von einem “Marktplatz”, die Szenerie am Freitagnachmittag im Arkadensaal der Wertheimer Hofhaltung. Man stand in kleineren und größeren Gruppen zusammen, es wurde geredet, diskutiert, erzählt, man blätterte in Büchern, aß und trank. Und genau so war es auch geplant, beim “Marktplatz der Möglichkeiten” anlässlich des “Aktionstages Mehrsprachigkeit”. Den hatte das “Netzwerk Mehrsprachigkeit” geplant und organisiert, mit zahlreichen Veranstaltungen in Kindergärten und Schulen und mit eben diesem großen Zusammentreffen am Nachmittag im Arkadensaal (wir berichteten).

Dirk Jüttner, gemeinsam mit Martina Ducque federführend in der Main-Tauber-Stadt, begrüßte “alle Sprachbegeisterten” – und das waren eine ganze Menge. Ihnen erzählte er von einem seiner Kindheitsträume, nämlich mit allen Menschen in ihrer Sprache reden zu können. “Aber die Wunschfee ist leider nicht vorbeigekommen.” Zu 100 Prozent erfüllt werden kann der Wunsch wohl auch nicht vom “Netzwerk Mehrsprachigkeit”. Aber einen Teil dazu beitragen schon.

Die Vorsitzende des im Mai vergangenen Jahres gegründeten gleichnamigen Vereins, Patrizia Hahne-Wolter aus Köln, lobte in ihrem Grußwort erst einmal alle Verantwortlichen, die in der Tat Beachtliches auf die Beine gestellt hatten. Wertheim, sagte sie, sei in der Vergangenheit auch für revoltierende demokratische Buchdrucker interessant gewesen und habe heute einen Namen als Standort für vielfältige Industriebetriebe.

“Die Arbeitnehmer kommen aus unterschiedlichen Herkunftsländern, und die Anbindung an den globalen Markt fordert alle Bürger und Unternehmer. Wie in einem Brennglas bündeln sich hier Bedürfnisse, Anspruch und Herausforderungen, denen sich auch andere Städte Deutschlands gegenübersehen.” Fremdsprachenkenntnisse seien ebenso gefragt, wie allgemeine Deutschkenntnisse. “Aber das allein reicht nicht.” Nötig sei auch eine Offenheit gegenüber kulturellen Hintergründen und babylonischer Sprachenvielfalt.

Für das Netzwerk sei es stimmig, den Aktionstag gerade in Wertheim zu begehen. Mit der Übernahme der Schirmherrschaft durch Oberbürgermeister Stefan Mikulicz “bezeugen Sie, dass sie den neuen Ideen der Mehrsprachigkeit unvoreingenommen gegenüberstehen”.

Die Rednerin stellte den Verein vor, dessen Vorsitzende sie ist, und sagte, der Respekt vor der Herkunftssprache und die Förderung der Verkehrssprache Deutsch bestimme dessen Diskurs. “Wir möchten den oft einseitigen und aufgeheizten Diskussionen um Integration und Migration eine zukunftsorientierte und sachlich geführte Debatte entgegensetzen.”

Oberbürgermeister Mikulicz stellte fest, es würden “viele Register gezogen, um Kindern Sprache und Mehrsprachigkeit zu vermitteln”. Dies fördere nicht nur die Intelligenz, sondern auch die eigene Identität und das Einfinden in die neue Heimat. In frühester Kindheit bereits würden die Pfade angelegt, die Jugendliche später befähigten, im Leben und im Beruf zu bestehen. “Als Kommune sind wir sehr stark bemüht, Sprache und Sprachkompetenz zu fördern”, versicherte der Oberbürgermeister. Dies geschehe auch vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und sei nicht zuletzt im Interesse der heimischen Wirtschaft. Jedes Kind müsse befähigt sein, später einmal eine Ausbildung erfolgreich zu absolvieren.

Mikulicz dankte insbesondere Martina Ducque, die dem Netzwerk beigetreten sei und die Bedeutung eines Aktionstages herausgestellt und verankert habe. “Das Thema wird in Wertheim sehr ernst genommen und bestimmt den Kurs der Kommunalpolitik mit”, so der OB abschließend.

Dann war es Zeit für “Geschenke”. Blumen gab es für Patrizia Hahne-Wolter und von ihr für Martina Ducque. Ihr überreichte die Vorsitzende des Vereins auch einen “Wanderpokal für besonders gelungene Projekte”. Dank der Unterstützung des Lions Club Wertheim konnten mehrere Bücherkisten zum Thema Mehrsprachigkeit angeschafft werden. Eine davon überreichten der amtierende Präsident Alois Sans und Sekretärin Susanne Eberhard an Nimet Seker, Öffentlichkeitsbeauftragte der türkisch-islamischen Gemeinde. Eine weitere Bücherkiste geht an die Stadtbücherei Wertheim, die an diesem Nachmittag durch Doris Neugebauer vertreten war. Und eine dritte wird eine “wandernde Bücherkiste”, die verschiedenen Einrichtungen zur Verfügung steht. Großzügige Unterstützung gewährte dem “Aktionstag Mehrsprachigkeit” das Fürstenhaus zu Löwenstein-Wertheim-Freudenberg.

Zahlreiche Mitglieder der türkisch-islamischen Gemeinde sorgten für das leibliche Wohl der Besucher des “Marktplatz der Möglichkeiten”. ek

Fränkische Nachrichten
01. März 2010

Die Wertheimer Zeitung schrieb am 1 März 10 :

http://www.main-netz.de/nachrichten/region/wertheim/wertheim/art4003,1111616

 

Kinder entdecken fremde Sprachen

Mehrsprachigkeit: Aktionstag mit Lesungen in Grundschulen und Kindergärten – Literaturpräsentationen im Rathaus

Wertheim In Zeiten zunehmender Globalisierung wird es immer wichtiger, Kinder früh mit Fremdsprachen vertraut zu machen. Andererseits ist es für das Gelingen von Integration wichtig, dass Kinder mit Migrationshintergrund über gute Deutschkenntnisse verfügen. Zu beidem will das Netzwerk Mehrsprachigkeit beitragen, das am Freitag einen Aktionstag in Wertheim veranstaltet hat.

Dabei kamen mehrere hundert Kinder in Wertheimer Grundschulen und Kindergärten am Vormittag in den Genuss einer kostenlosen Veranstaltung. »Die Nachfrage war so groß, das wir pro Referentin zwei Termine anbieten mussten«, sagt Martina Ducque. Sie ist Erzieherin und Fachkraft für frühkindliche Sprachförderung und interkulturelle Kompetenz bei der Stadt Wertheim. Gemeinsam mit Dirk Jüttner von JP Design aus Wertheim organisierte sie die Veranstaltungen.
So las beispielsweise die Illustratorin Gül Kurtulus in den Kindergärten Waldenhausen und Reicholzheim in Deutsch und Englisch aus ihren Umweltbüchern zu den vier Elementen Feuer, Wasser, Luft und Erde vor. Dafür hatte sie sich kostümiert und neben den Büchern auch großformatige Bilder mitgebracht, die die Hauptakteure ihrer Werke zeigten. Die Kinder lauschten ihren Ausführungen mit großer Aufmerksamkeit.
Eigene Geschichte ausgedacht
Keine Lesung im klassischen Sinne hatte sich Patricia Hahne-Wolter für die Kinder der Kindergärten Urphar und Grünenwört ausgedacht. »Meine Wörter reisen« lautete der Titel des Buches, anhand dessen Bilder sich die Kinder eine eigene Geschichte ausdachten. Wer von Hahne-Wolter einen Ball zugeworfen bekam, durfte die Geschichte weiter erzählen.
In allen Einrichtungen waren die Kinder eifrig bei der Sache. »Aus ruhigen werden aktive Kinder und das Bilderbuch regt zum Sprechen an«, kommentierte eine Erzieherin des Kindergartens Urphar. Ihre Kolleginnen aus Bettingen und Lindelbach sagten zu dem Buch »Wer spricht denn da«: »Die Kinder lernten in der kurzen Zeit vier Sprachen kennen und waren total begeistert.«
Der Nachmittag stand beim sogenannten Marktplatz der Möglichkeiten im Arkadensaal ganz im Zeichen von Mehrsprachigkeit und der Präsentation zahlreicher Bücher. »Hier wird eindrucksvoll gezeigt, wie alle Register gezogen werden können, um Kindern mehrsprachige Kompetenz zu vermitteln«, sagte Oberbürgermeister Stefan Mikulicz, der Schirmherr der Veranstaltung war. »Mehrsprachigkeit fördert den Intellekt der Kinder«, sagte der OB. Gemeinsam müssten neben dem Elternhaus vor allem Kindergärten und Schulen Anstrengungen unternehmen, um Sprachkompetenz zu fördern, meinte Mikulicz. Er versicherte, dass das Thema von der Stadt, Schulen und Kindergärten sehr ernst genommen werde.
Die Herausforderung eines globalen Marktes forderten Bürger und Unternehmen gleichermaßen, sagte die Vorsitzende des Netzwerkes Mehrsprachigkeit, Patrizia Hahne-Wolter. »Fremdsprachenkenntnisse sind deshalb so wichtig, wie Deutschkenntnisse«, erklärte sie. Nötig sei auch Offenheit gegenüber kulturellen Hintergründen. Eine wichtige Voraussetzung dafür sei, Kindern die Freude am Lesen zu vermitteln. »Alles andere kommt von alleine.«
Patrizia Hahne-Wolter freute sich über eine Spende des Lions-Clubs und des Fürstenhauses für das Netzwerk. Dank der großherzigen finanziellen Unterstützung sei es möglich, der Stadtbücherei und dem türkisch-islamischen Verein drei Kisten mit mehrsprachigen Büchern zur Verfügung zu stellen. Zudem werde eine Bücherkiste bereit gestellt, die von Schulen und Kindergärten ausgeliehen werden können. Symbolisch nahm Nimet Seker von der türkisch-islamischen Gemeinde eine Bücherkiste entgegen.
Neben dem Kennenlernen mehrsprachiger Druck-Erzeugnisse für Kinder und dem Erfahrungsaustausch standen am Nachmittag auch verschiedene Seminare auf dem Programm. So erklärte Iris Wolf von der Agentur für Leseförderung Eulenwolf, wie man das richtige zweisprachige Buch findet. Corina Schuhkraft-Wadle von »Ibambiboo« präsentierte einige zweisprachige Bildwörterbücher.
Lesungen für Jungen und Mädchen
Dirk Jüttner stellte unterschiedlichste Wörterbücher und deren Einsatzmöglichkeiten im Grundschulunterricht und in Kindertagesstätten vor. Darüber hinaus fanden für die kleinen Besucher auch noch diverse Lesungen aus zweisprachigen Büchern statt.
Peter Riffenach

Hintergrund: Europäischer Tag der Sprache

Der Internationale Tag der Muttersprache ist ein von der Unesco ausgerufener Gedenktag zur »Förderung sprachlicher und kultureller Vielfalt und Mehrsprachigkeit«. Er wird seit dem Jahr 2000 jährlich am 21. Februar begangen.

Zur Förderung interkultureller Kompetenz gehören auch Angebote vor Ort wie auf diesem Bild, das während eines Lesekurses in den Räumen des Türkisch-Islamischen Vereins entstand und das Martina Ducque, Fachkraft für frühkindliche Sprachförderung und interkulturelle Kompetenz, im Gespräch mit Muhiddin Cevahir vom Türkisch-Islamischen Verein zeigt.

Vor dem Hintergrund, dass gut die Hälfte aller weltweit gesprochenen Sprachen vom Aussterben bedroht ist, hat sich die Unesco unter anderem die Förderung von Sprachen als Zeichen der kulturellen Identität auf die Fahnen geschrieben.
Europa begeht seinen eigenen Tag der Sprachen, der alljährlich am 26. September gefeiert wird. Es gibt über 200 europäische Sprachen, von denen 23 offizielle Amtssprachen der EU sind. Ziel der Europäischen Kommission ist es, dass alle Bürger mehrere Sprachen sprechen. Ziel ist, dass am Ende der Schulzeit alle mindestens zwei Fremdsprachen beherrschen.
Der Europäische Tag der Sprachen, der seit 2001 begangen wird, geht auf eine Initiative des Europarates zurück.

Vorlesen - auf Deutsch und Türkisch

Vorlesen - auf Deutsch und Türkisch

Peter Riffenach schrieb für die Wertheimer Zeitung im April 09 folgenden Artikel
Vorlesen – auf Deutsch und auf Türkisch

Neues Projekt Arbeitskreis in der Wertheimer Moschee
Wertheim-Reinhardshof

Gemeinsam mit der Öffentlichkeitsbeauftragten der türkisch-islamischen Gemeinde, Nimet Seker, hat die Fachkraft für frühkindliche Sprachförderung und interkulturelle Kompetenz, Martina Ducqué, in der Moschee auf dem Reinhardshof einen Arbeitskreis initiiert, in dem türkischen Eltern vermittelt werden soll, wie wichtig Vorlesen in der kindlichen Entwicklung ist. 60 Kinder und Erwachsene kamen zum ersten Treffen.

“Beim Erzählen oder Vorlesen hören kleine Kinder wie gebannt zu. Fantasie und Kreativität werden angeregt. Zudem orientieren sie sich an den Sprachvorbildern ihrer Umwelt”, sagte Ducqué. Deshalb sei es wichtig, mit Kindern regelmäßig zu sprechen und ihnen vorzulesen. Dabei sei es wichtig, die Muttersprache nicht außer Acht zu lassen, erklärte sie den türkischen Eltern, sondern zu zeigen, dass ihre Herkunftssprache etwas Besonders sei und Wertschätzung verdiene. Deshalb stellte sie auch viele zweisprachige Bücher vor.

Wie schön vorlesen sein kann, demonstrierten die beiden Initiatorinnen mit Passagen aus dem Buch “Der Elefant, der Masern hatte”, abwechselnd in deutscher und türkischer Sprache. Wobei sie auch die Rollen wechselten, also Martina Ducqué einen Teil in Türkisch und Nimet Seker einen in Deutsch übernahm. Sie wolle zeigen, dass man auch in einer fremden Sprache vorlesen könne, auch wenn man die Sprache nicht perfekt beherrsche, erläutert Ducque: “Das ist gleichzeitig auch eine gute Übung für sie selbst.”

Nimet Seker und Martina Ducqué beim Lesen

Regelmäßigkeit sei ein wichtiger Bestandteil. “Lesen sie ihrem Kind regelmäßig vor und räumen sie dem Bücherlesen einen festen Platz im Tagesablauf ein”, riet sie den Eltern. Wichtig sei auch, den Kindern die Möglichkeit zu schaffen, in der Moschee mit Büchern in Berührung zu kommen, regte sie die Einrichtung einer Bibliothek an. Ziel ihrer Aktion sei auch, Lesepaten in der türkischen Gemeinde zu finden, die mit den Kindern lesen üben und ihnen die Begeisterung daran vermitteln.

Eigene Anmerkungen zu dem Artikel:

Wie schwer es ist eine fremde Sprache zu lesen, welche Eigenarten sie hat und wie schwierig ihre Aussprache ist, habe ich an diesem Tag selbst erfahren können.  Eine Woche lang habe ich das Lesen geübt, mehrere Stunden habe ich vorgelesen und immer wieder wurde ich korrigiert, doch ich habe mich von meinem Vorhaben, wenigstens die Sprache lesen zu können nicht abbringen lassen. Einen besonderen Dank all jenen, insbesondere Nimet Seker und Yasemin , die mich bei meinen ersten Leseversuchen geduldig begleitet haben.

Dank des deutschsprachigen Textes, der direkt darunter stand konnte ich die Inhalte erschliessen, doch die richtige Betonung war die größte Herausforderung. Die überraschten Gesichter zu sehen, die Verwunderung der Kinder zu erleben “die Martina spricht türkisch”, hat den ganzen Aufwand gelohnt. Ich wollte selbst erleben, was es bedeutet, diese Hürde zu nehmen und meine Achtung all jener Menschen gegenüber, die mehr als eine Sprache in Wort und Schrift beherrschen, ist erneut gewachsen.