Sprache – Kultur – Kompetenz Martina Ducqué

Erzähle mir und ich vergesse, zeige mir und ich erinnere mich, lass mich tun und ich verstehe. (Konfuzius)

Beiträge mit Schlagwort Sprachförderprojekt der Stadt Wertheim

25.05.2012

Vier Traumstunden in zwei Sprachen

Im Juni gibt es in der Stadtbücherei sozusagen eine Sonderausgabe der Traumstunden: Im Rahmen der Integranzreihe werden die Vorleseaktionen zweisprachig gestaltet. Sie finden jeweils mittwochs um 16 Uhr statt. Eine Mitmach-Aktion begleitet die spannenden, lustigen oder fantastischen Geschichten.

Los geht’s am Mittwoch, 6. Juni, mit der Traumstunde Mini für Kinder von drei bis fünf Jahren. Die Geschichte vom Regenbogenfisch in der Tiefsee wird in Spanisch und Deutsch vorgelesen. Der Regenbogenfisch verliert seine allerletzte Glitzerschuppe, sie sinkt immer weiter hinab in die Tiefsee. Schafft er es sie wiederzubekommen? Im Anschluss gestalten die Kinder ein buntes Regenbogenfisch-Bild.

 

Ebenfalls für die Minis gibt es am Mittwoch, 13. Juni, eine deutsch-italienische Traumstunde. Elmar, der karierte Elefant, ist auf der Suche nach Willi, seinem Vetter und kann ihn nicht finden, er hat sich zu gut versteckt. Dann wird es Abend und die Elefanten wollen heimgehen, denn sie sind hungrig, aber was passiert mit Willi? Aus Tonkarton schneiden die Kinder einen Elefanten aus und malen ihn individuell an.

 

Am Mittwoch, 20. Juni, gibt es die Geschichte „Die Katzeninsel“ in russischer und deutscher Sprache für Kinder von sechs bis neun Jahren. Im Sommer geht es den Katzen auf der Katzeninsel gut, denn da werden sie von den Menschen verwöhnt, aber im Winter? Da muss ein gute Idee her … Für die Kinder gibt es im Anschluss ein Zirkusspiel 

 

Die Reihe der zweisprachigen Traumstunden schließt am Mittwoch, 27. Juni, mit einer türkisch-deutschen Vorlesestunde, ebenfalls für Kinder im Alter von sechs bis neun Jahren. Die Geschichte „Mert und der wundersame Fes“ beschreibt eine Zeitreise in Istanbul. Am Ende gibt es eine Überraschung für die Kinder.

 

Bei allen Traumstunden ist die Teilnehmerzahl begrenzt, daher bittet die Stadtbücherei um Anmeldung unter Telefon 09342/301-515.

weitere Infos:http://www.wertheim.de/servlet/PB/menu/1399176_l1/index.html

Sprachförderaktion der Wertheimer Kindergärten in Anlehnung an den Tag der Muttersprache

Bereits im vergangen Jahr wurde mit Unterstützung des Netzwerk Mehrsprachigkeit e.V der Aktionstag Mehrsprachigkeit in den Wertheimer Kindergärten durchgeführt.
Die vielfältigen Aktionen im Rahmen dieses Tages haben weite Kreise gezogen. Die Nachhaltigkeit zeigte sich besonders in den Sprachfördermaßnahmen, die darauf in den Einrichtungen folgten.
Auch in diesem Jahr stellt der Tag der Muttersprache in vielen Wertheimer Kindergärten den Höhepunkt der Sprachföderinitative dar.
Er findet am 16.03 2011 in etlichen Einrichtungen statt.
Die Aktionen, die im Rahmen dieses Tages durchgeführt werden, sollen das Bewusstsein für sprachliche und kulturelle Traditionen stärken, den Gebrauch der Muttersprache fördern und die Sprachenvielfalt in unserer Gesellschaft würdigen.
Unterstützung erhalten die Einrichtungen von Martina Ducqué, die eine Projektmappe im Zuge des Sprachförderprojektes der Stadt Wertheim,  „Komm In Aktion“, erarbeitete hat und die Kindergärten fachlich begleitet.
Intensiviert wird die Arbeit im Rahmen der Sprachförderung durch den Einsatz eines mehsprachigen Medienkoffers, der Dank großzügiger Spenden im letzten Jahr angeschafft werden konnte.
Auch in diesem Jahr finden in den Einrichtungen zahlreiche Aktionen statt, die über den Tag der Muttersprache hinaus einen großen Beitrag zur Integration und Sprachförderung unserer Kindern leisten werden.

Die Stadtverwaltung Wertheim informiert unter folgendem Link:

http://www.wertheim.de/servlet/PB/menu/1353116_l1/index.html

Eine besondere Form der Umsetzung, die gleichzeitg die Auftaktveranstaltung für das vom Bund ausgeschriebene Sprachförderprogramm “Schwerpunkt Kitas – Sprache und Integration” darstellt, wird von Robert Weisensee für die  Fränkischen Nachrichten wie folgt beschrieben:

18.03.2011

Nimmersatte Raupe in fremder Diktion

Tag der Muttersprache: Evangelische Kindertagesstätte Bestenheid feierte ein internationales Fest unter reger Beteiligung von Eltern aus unterschiedlichen Nationen

Bestenheid. “Viele Sprachen hat die Welt” sangen die Kinder der evangelischen Kindertagesstätte (Kita) Bestenheid zu Beginn eines großen Festes der Nationen in ihrer Einrichtung. In ihrer Muttersprache wurden Kinder, Eltern, Großeltern und die Gäste des Festes begrüßt und dann zum Besuch der verschiedenen nationalen und internationalen Treffpunkte in der Einrichtung eingeladen. Man feierte am 16. März den “Tag der Muttersprache” der Unesco in Wertheim.

Auftakt für Sprachförderung

Für die Kindertagesstätte in der Breslauer Straße war es gleichzeitig die Auftaktveranstaltung zum Sprachförderprogramm “Schwerpunkt Kitas – Sprache und Integration.” Groß war die Freude bei Pfarrerin Stefanie Fischer-Steinbach und Heike Schaible, der Leiterin der Kita, über den Zuschlag des Förderprogramms des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Zum ersten April kann eine Fachkraft für Sprachförderung zu 50 Prozent angestellt werden.

Heike Schaible meinte, dies sei ein guter Anlass, den “Tag der Muttersprache” als tolles Fest von verschiedenen Nationen, von denen die Kita besucht wird, miteinander zu feiern. Familien aus sieben Nationen hatten sich, teils gewandet in typische Landeskleidung, darauf eingelassen und kreativ auf den Gästeansturm vorbereitet.

Sieben Stationen

Bei den sieben Stationen in den Gruppenräumen und auf den Fluren der Kita herrschte buntes Treiben. Überall war große Gastfreundschaft und Herzlichkeit zu spüren. Liebevoll angerichtet waren bei allen Nationen die kulinarischen Köstlichkeiten. Landestypisches konnte probiert werden.

“Es geht zu wie auf einem Basar,” sagte ein türkischer Vater und verteilte seinen Tee zu türkischer Musik. In einem Zelt der Station “Türkei”, in dem ältere Frauen saßen, konnte man sich niederlassen oder sich an den Plakatwänden über die Geschichte des Landes informieren.

“Typisch Französisch” ging es an anderer Stelle zu. Hier fand man auch deutsche Wörter, die in Frankreich, und französische Wörter, die in Deutschland gesprochen werden. Bei der Station “USA” stellte man Sportarten des Landes vor und wie überall an den Stationen auch Kinderbücher, Spiele und Info-Material.

Voller Begeisterung erzählte eine Frau über Bräuche in ihrem Land Portugal. An anderer Stelle konnte man das albanische Alphabet lernen oder erfuhr etwas über die Geschichte dieses Landes oder über Mutter Teresa. Die Russlanddeutschen Frauen hatten ihre Station “Russland” bunt dekoriert und eine gemütliche Teestube eingerichtet.

Auch Deutschland war gut vertreten mit typischer Kleidung, Informationen über Land und Leute und, wie überall, mit einem köstlichen Imbiss. Bei jeder Nation gab es einen Maltisch, an dem die Kinder die Flagge des jeweiligen Landes malen konnten. Wer es geschafft hatte, konnte am Schluss des Tages sieben Flaggen mit nach Hause nehmen. Dazwischen gab es für Interessenten an zwei Terminen mehrsprachiges Vorlesen im Turnraum. Jung und Alt konnten sich hier die Bilderbuchgeschichte “Die kleine Raupe Nimmersatt” in deutscher, englischer, türkischer, portugisischer, französischer, russischer und albanischer Sprache anhören. Beim Überraschungstheater spielten die Erzieherinnen zusammen mit begeisterten Kindern die Geschichte “Eine Flaschenpost reist die um die Welt.” Auch hier besuchte man viele Länder und gewann neue Freunde.

Die Fränkische Nachrichten berichtet am 24. März 2011 von einer weiteren Aktion:

Rotkäppchen auf Russisch

Im Kindergarten St. Venantius Wertheim fand kürzlich zum zweiten Mal ein internationales Lesefest statt. In Anlehnung an den Tag der Muttersprache haben Mütter und Erzieherinnen – in ihrer Muttersprache oder einer Fremdsprache – Bilderbücher, Geschichten und Märchen vorgelesen. Es wurde unter anderem Petterson und Findus auf Schwedisch und parallel auf Deutsch vorgelesen, der “Grüffelo” fand in der englischen Sprache großen Anklang bei den Kindern, und die russische Version vom Rotkäppchen wurde von einer Mutter vorgelesen. Nach dem Vorlesen hatten die Kinder die Möglichkeit, die Flaggen der einzelnen Länder anzumalen, die sie am Ende stolz als Flaggenkette mit nach Hause nehmen konnten.

Wetzlar (mab). Die Chancen und Probleme mehrsprachig aufwachsender Kinder standen kürzlich im Mittelpunkt der sechsten Auflage des Wetzlarer Bibliothekentages. Unter dem Motto »In vielen Sprachen zu Hause« hatten Stadtbibliothek und Phantastische Bibliothek zu einer interdisziplinären Tagung eingeladen.
Ihre Zielgruppe: Vertreter kleinerer Büchereien sowie pädagogische Fachkräfte.

»Lern Du erstmal Deutsch!« – oft sind fremdsprachige Kinder mit diesem Satz konfrontiert. Doch wer in seiner Anderssprachigkeit nicht angenommen wird, sondern Geringschätzung oder gar Ablehnung erfährt, wird schon in frühester Kindheit in der Entwicklung entscheidend gebremst. Schlimmstenfalls führt es dazu, dass die Kleinen zwischen zwei Sprachen geraten: Die eigene erleben sie als minderwertig und erlernen sie deshalb nicht voll, die deutsche beherrschen sie aber auch nicht fehlerfrei. Auf solche Risiken machte Oberbürgermeister Wolfram Dette (FDP) in seinem Grußwort aufmerksam und plädierte dafür, dass Kindertagesstätten und Schulen sich in hohem Maße um die Vermittlung der deutschen Sprache bemühen. Ziel müsse es sein, die Chancen der Mehrsprachigkeit zu nutzen und die Risiken zu vermindern. Für ein Begreifen der sprachlichen Diversität als Normalität sprachen sich Bettina Twrsnick von der Phantastischen Bibliothek und Karin Bahlo aus, die die Modulgruppe »Sprache und Literacy« für den hessischen Bildungsplan repräsentierten. Sprache bilde letztlich Kultur ab, spiegele also das Denken wider. Somit seien Menschen mit Migrationserfahrung gegenüber einsprachig aufwachsenden eigentlich klar im Vorteil. Trotzdem komme es immer wieder zu Situationen, in denen Erzieher oder Lehrer hilflos vor einem Kind stünden, das »nicht spricht«. »Wenn ein Kind sein Potential nicht wirklich ausschöpft, ist es nicht sein Fehler. Es ist an seinem Gegenüber, es dort abzuholen, wo es steht«, so Karin Bahlo. Doch das sei nicht einfach, schließlich würden Pädagogen im beruflichen Alltag heute mit einer Vielzahl an Sprachen konfrontiert. Patricia Hahne-Wolter vom SchauHör-Verlag in Köln stellte mehrsprachige Bilderbücher vor, die auf die Problematik eingehen. Erzieherin Martina Ducqué, die in frühkindlicher Sprachförderung und interkultureller Kompetenz ausgebildet ist, berichtete von Projekten und Erfahrungen. Begeisterung löste Soziolinguist und Liedermacher Fredrik Vahle aus, der den rund 80 Teilnehmern mit »Paule Puhmanns Paddelboot« praktische Lieder und Sprachspiele an die Hand gab und sie spontan zum Mitsingen animierte. Workshops rund um das Thema Mehrsprachigkeit halfen, die verschiedenen Ansätze zu vertiefen.

23. April zum Welttag des Buches – Bücherkisten werden übergeben


Wir freuen uns sehr, dass auch wir bedacht wurden“, mit diesen Worten nahm Michaela Stock, Leiterin der Stadtbücherei, eine umfangreiche Buchspende, aus den Armen von Martina Ducqué vom Netzwerk Mehrsprachigkeit e.V., entgegen. Dank dieser Spende ist die Stadtbücherei um 27 zweisprachige Büchern reicher, und so mancher zukünftige kleine Besucher/Zuhörer wird staunen, welche Sprachen nun in Kombination mit Deutsch angeboten werden: englisch, französisch, spanisch, serbisch, kroatisch, polnisch, russisch, arabisch, persisch und türkisch. Da steht der Lust am Lesen kaum noch etwas im Wege, zumindest keine sprachliche Barriere!

Mit der Übergabe dieser Bücher, am von der UNESCO ausgerufenen Tag des Buches, findet eine weitere Aktion, die mit dem Aktionstag Mehrsprachigkeit im Februar begonnen hatte, statt. Mitglieder des Vereins Netzwerk Mehrsprachigkeit waren damals aus ganz Deutschland angereist und haben Schulen und Kindergärten in Wertheim besucht, um in einer geballten Aktion aus mehrsprachigen Büchern vorzulesen. Dem Lions Club Wertheim gefiel diese Aktion so gut, dass er 1200,00 Euro spendete, mit der Maßgabe, dieses Geld für Buchankäufe einzusetzen. Mit diesem Geld sind nun drei Bücherkisten gefüllt worden, eine für die Stadtbücherei, eine für dem deutsch- türkischen Moscheeverein DITIB und eine für die örtlichen Kindergärten.

Für die Übergabe wurde bewusst der 23. April ausgewählt,
an dem die UNESCO seit 1995 den Tag des Buches begeht,
um die fundamentale Bedeutung des Lesens für die kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung zu unterstreichen.
Auch die Ziele vom Netzwerk Mehrsprachigkeit ordnen sich dieser globalen Vorgabe unter: Ihm geht es darum, die Lust auf Fremdsprachen zu wecken, die Lust am Lesen zu fördern, egal in welcher Sprache und das Miteinander in multikulturellen Umgebungen zu stärken.


Treffpunkt Mehrsprachigkeit am Mittwoch, 17. März 2010

didacta 2010
Halle 7.1 – Stand A 57

  • 09:00     Morgencafé
  • 10:00     Mustafa Cebe: Schneeball (DE/TR)
  • 11:00     Präsentation von Martina Ducqué:

Komm in Aktion

Sprachförderprojekt Stadt Wertheim - KOMM in AKTIONKomm in Aktion ist ein Sprachförderprojekt, das speziell auf die Situation der Kinder und deren Eltern, in Wertheim, konzipiert wurde. Die Erkenntnis, dass die Entwicklung der Sprache durch die sozialen Alltagskontakte mit den Bezugspersonen maßgeblich beeinflusst werden und Eltern natürliche Bedürfnisse und Fähigkeiten haben ihre Kinder in dieser Entwicklung zu begleiten, ist ein wichtiger Aspekt der Elternworkshops. Zu den Schulungen und der Stärkung der Erziehungkompetenz werden die Inhalte des Orientierungsplans und dessen Ziele an die Eltern verständlich weitergeben.

Eine zusätzliche Förderung der Kinder in der vertrauten Einrichtung wird durchgeführt, da die Kinder zu Beginn der Maßnahme in einem Alter von 3,5 Jahren sind. Wesentliche Ziele sind, die Eltern für die Gestaltung spracherwerbswirksamer Kommunikation zu sensibilisieren und sie in ihren Kompetenzen zu stärken. Dabei wird auf das aktive Erarbeiten sprachfördernder Verhaltensweisen und die Auseinandersetzung mit dem eigenen Kommunikationsverhalten besonderen Wert gelegt. Diese Schwerpunkte zeigen sich in den Themen (vgl. Bender-Körber, B.; Hochlehnert, H., Elternzentriertes Konzept zur Förderung des Spracherwerbs) der einzelnen Elternveranstaltungen:
- Die Basisfunktionen des Spracherwerbs
- Die sprachförderliche Grundhaltung
- Die verbesserte Rückmeldung
- Die Handlungsorientierung
- Das aktive Zuhören
- Die Ich-Botschaft

  • 12:00     Mustafa Cebe: Schneeball (deutsch/polnisch)
  • 14:00     Vortrag in Türkisch: Mustafa Cebe (Autor von Schneeball, wer bin ich):  Zweisprachig lesen in der Grundschule  an einem muttersprachlichen Unterricht und zu Hause mit Eltern / Gespräch mit Türkischen Lehrern, Erziehern und Eltern
  • 15:00     Lesung Zweisprachig: Engin Korelli: Die Fledermaus, die keine war (Deutsch/Türkisch)
  • 16:00     Gül Kurtulus: Musikalische Lesung
  • 18:00     Happy Hour

Peter Riffenach von der Wertheimer Zeitung schrieb am 08.11.2008

Sprachförderung für Eltern und Kinder
Projekt: 15 Familien sind beim Programm dabei
Frühkindliche Sprachförderung in Kindergärten ist nach Meinung vieler eine wichtige Voraussetzung für die weitere positive Entwicklung eines Kindes. Daher wurde in den letzten Jahren in Wertheim zusammen mit den Kindergärten ein Konzept ausgearbeitet, wie der Sprachförderbedarf eines Kindes ermittelt und individuelle Förderung angeboten werden könnte. Die Verwaltung informierte am Donnerstag den Fikuss über das Projekt.
Zielgruppe des Wertheimer Modells “Komm in Aktion” seien alle Kinder, die zu Beginn des Kindergartenjahres dreieinhalb Jahre alt sind, informierte Fachbereichsleiterin Angela Steffan. Diese Kinder wurden von Fachkräften einem Test unterzogen. Von 76 geprüften Kindern wurden 43 als sprachauffällig eingestuft. Eine Zahl, die die Ausschussmitglieder aufschreckte.

Acht Kurse

Das Sprachförderkonzept sehe vor, dass die Eltern stark in das Förderprogramm einbezogen würden. Sie müssten pro Jahr acht Schulungskurse besuchen. Von den 43 Eltern hätten sich 15 zur Teilnahme bereit erklärt. Martina Ducque, Fachkraft für frühkindliche Sprachförderung, sagte, dass die niedrige Zahl überwiegend darin begründet liege, dass die Anfangshürde für viele Eltern relativ hoch gewesen sei. Sie sei allerdings überzeugt, dass die Zahl der Teilnehmer steigen werde, sobald der Nutzen von allen Eltern erkannt sei.

Den Eltern würden in den Kursen Grundkenntnisse im Zusammenhang mit dem Spracherwerb vermittelt. Außerdem würden unter anderem Sprachförderliche und sprachhemmende Verhaltensweisen vorgestellt. Die Kinder würden in 14-tägigem Rhythmus jeweils zwei Stunden gefördert, sagte Angela Steffan.

Hohe Zahl erschreckt Die Ausschussmitglieder erkannten einmütig an, dass die Beherrschung der Sprache eine Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Schulkarriere ist. Erschreckend fanden es alle Redner, dass 68 Prozent aller Dreieinhalbjährigen sprachauffällig geworden seien. “Welche Spracharmut muss da in den Familien vorhanden sein”, fragte Renate Gassert von der SPD. Sie forderte, dass das Land bei solch wichtigen Projekten einen Teil der Kosten, die Uwe Schlör-Kempf mit jährlich rund 12 000 Euro bezifferte, übernehmen sollte. Man werde diesbezüglich am Ball bleiben, versprach Oberbürgermeister Stefan Mikulicz.

5000 Euro: Service-Clubs überreichten Spende zur Unterstützung der frühkindlichen Sprachförderung
Wichtige Hilfe zur Integration

Reinhardshof. “Sprachförderung ist die wichtigste Integrationsarbeit, die wir frühkindlich leisten können.” Um so mehr freute sich Oberbürgermeister Stefan Mikulicz, dass diese Bemühungen nun von den Service-Clubs in Wertheim, Rotary und Rotaract sowie Lions, mit einer beträchtlichen Summe finanziell unterstützt werden. Gabriela König, Präsidentin des Lions Clubs, und Dekan Hayo Büsing, Präsident der Rotarier, überreichten am Dienstag einen symbolischen Scheck in Höhe von 5000 Euro an den OB und Martina Ducqué die Fachkraft für frühkindliche Spracherziehung und interkulturelle Kompetenz.

30.04.2009

Lernen ohne zu pauken

Spielen und Sprechen: Die Kinder führen sich gegenseitig Zaubertricks vor, bekommen so Selbstvertrauen – und lernen nebenbei, mit Sprache umzugehen.

Sprachkompetenz
Wertheimer Betreuungseinrichtungen wollen Kindern ganz beiläufig besseres Deutsch beibringen
Zu Beginn des Kindergartenjahres ist an Wertheims Kindereinrichtungen das Projekt “Komm in Aktion” zur Sprachförderung gestartet worden. “Es kommt nicht nur der Kopf – es kommt das ganze Kind”, so umschreibt Martina Ducqué, dass diese Förderung ganzheitlich erfolgen muss.

“Die Hürden für die Teilnahme an der Sprachfördermaßnahme sind bewusst relativ hoch”, sagt sie. Von den Eltern werde einiges an Mitarbeit erwartet: Diese müssen laut der Fachkraft von September bis Juli an neun Kursen teilnehmen, bei denen sie für die Sprachförderung empfänglich gemacht werden sollen. “In den Kursen wird auf das aktive Erarbeiten sprachfördernder Verhaltensweisen und die Auseinandersetzung mit dem eigenen Kommunikationsverhalten besonderen Wert gelegt”, erklärt Ducqué.

Viele Kinder sehen viel zu lange fern. Dann nützen auch Förderangebote nichts. Martina Ducqué, Erzieherin Bei den Elternveranstaltungen gehe es etwa um Spracherwerb, förderliche Grundhaltungen, Rückmeldung und Handlungsorientierung sowie um das aktive Zuhören und “Ich-Botschaften”. Die Expertin arbeitet das jeweilige Thema laiengerecht auf und vermittelt den Inhalt anhand praktischer Beispiele. So bringt sie etwa Videoaufnahmen der Kinder mit und zeigt, wie durch die falsche Fragetechnik keine Kommunikation zustande kommen kann.

“Viele Kinder sehen viel zu lange fern”, sagt die Erzieherin. Die Forschung habe bewiesen, dass die Gehirnzellen der Kinder damit zunächst belegt seien: “Dann nützen auch Förderangebote nichts”, erklärt sie.

Neben den Eltern, die sich einvernehmlich positiv zu den Kursen äußern, stehen die Kinder im Mittelpunkt: Im zweiwöchigen Rhythmus besucht Ducqué sie in ihrer jeweiligen Einrichtung und verbringt einige Stunden mit ihnen. Wert legt sie auf ganzheitliche Förderung: “Wir haben es nicht nur mit dem Hörer oder dem Sprecher zu tun, sondern immer mit dem ganzen Kind, mit all seinen Sinnen, seinem Bewegungsdrang, seiner Neugier, seiner Liebe zu Rhythmus und Musik.” Durch Hantieren mit Gegenständen, Ausprobieren und Bewegung sammeln Kinder Erfahrungen, die über die Verbindung mit Sprache zu Begriffen für sie werden.

So werden Kinder etwa zu “Zauberlehrlingen”, die mit Murmeln in Dosen andere Kinder verblüffen und Selbstvertrauen tanken. Oder man sitzt beim Essen und nebenbei lernen die Kleinen Begriffe. “Planvolle Sprachförderung kann beim Singen, Turnen, Basteln, Spielen, Experimentieren ebenso stattfinden wie beim Betrachten von Bilderbüchern oder beim Einzelgespräch mit dem Kind”, sagt die Erzieherin.

Satz des Konfuzius als Leitlinie Dabei muss laut der Fachkraft immer ein konfuzianischer Grundsatz berücksichtigt werden:

“Erzähle mir und ich vergesse. Zeige mir und ich erinnere mich. Lass es mich tun und ich verstehe.

17.10.2009

Erfolge mit früher Sprachförderung

Auftaktveranstaltung von "Komm in Aktion" am 24.09.09 in Wertheim

Auftaktveranstaltung von "Komm in Aktion", am 24.09.09, in Wertheim


“Frühkindliche Sprachförderung in Kindergärten ist eine wichtige Voraussetzung für die weitere positive Entwicklung eines Kindes”, stellte Oberbürgermeister Stefan Mikulicz am Donnerstag bei der Sitzung des Ausschusses für Finanzen, Verwaltung, Kultur, Soziales und Sport (Fikuss) des Wertheimer Gemeinderates fest
Uwe Schlör-Kempf, Kinder- und Jugendbeauftragter der Stadtverwaltung, und Martina Ducqué, Fachkraft für frühkindliche Sprachförderung und interkulturelle Kompetenz, informierten das Gremium über den erfolgreichen Verlauf des Programms “Komm in Aktion” in der einjährigen Probephase.

Sprachförderung ist ein fester Bestandteil der täglichen Arbeit in den Wertheimer Kindergärten, allerdings ist in den letzten Jahren ein erhöhter Bedarf festgestellt worden. Um dem gerecht zu werden wurde “Komm in Aktion” ins Leben gerufen, mit dem im ersten Schritt vor allem die Einrichtungen mit einer vergleichsweise großen Zahl förderbedürftiger Kinder unterstützt werden sollten. Elf Kinder und ihre Familien nahmen im Kindergartenjahr 2008/09 an dem Förderprogramm teil und nach dem Ende der Projektphase ließ sich bei allen eine Verbesserung der sprachlichen Entwicklung feststellen.

Auch im neuen Kindergartenjahr wurden alle Kinder im Alter von dreieinhalb Jahren getestet, wobei von 76 geprüften Kindern in der Kernstadt sowie den Stadtteilen Bestenheid, Wartberg und Reinhardshof 57 Prozent als sprachauffällig eingestuft wurden. Aufgrund der positiven Erfahrungen, die vor allem auch die teilnehmenden Eltern des ersten Kurses gemacht hätten, seien bereits 24 Familien aus fünf Einrichtungen bereit, an dem Programm teilzunehmen, berichtete Schlör-Kempf. “Das ist eine Verdoppelung der Teilnahmezahlen gegenüber dem Probejahr”, freute er sich. Der dafür notwendige Personalbedarf werde durch eine Spende der Wertheimer Serviceclubs Rotary und Lions in Höhe von 5000 Euro gedeckt.

Erstmals sei in diesem Kindergartenjahr auch ein Sprachtest bei den Kindern in den Einrichtungen der Ortschaften durchgeführt worden, und nach der Auswertung sei klar geworden, dass auch dort 60 Prozent eine zusätzliche Sprachförderung benötigten. Die Ausweitung des Programms auch auf die Ortschaften würden die Erhöhung des Beschäftigungsumfangs der Fachkraft, die derzeit zu 30 Prozent bei der Stadt beschäftigt ist, auf mindestens 50 Prozent erforderlich machen, so Schlör-Kempf, der ankündigte, dass die erforderlichen zusätzlichen Mittel bei den Beratungen zum Haushalt 2010 eingebracht würden.

Alle Fraktionen äußerst sich positiv über den Verlauf des Projekts, das sie als “Bereicherung und Erfolg” werteten, wie es Dr. Andrea Braun (CDU) auf einen Nenner brachte. Dr. Günther Heger (SPD) beklagte lediglich, dass in das Projekt nur Kinder einbezogen würden, deren Eltern bereit seien, daran teilzunehmen. “Wir müssten uns vielmehr verstärkt um diejenigen kümmern die vom Elternhaus keine ausreichende Unterstützung erhalten”, forderte er.